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Der Wolf

Der Wolf war früher das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Heute ist er den meisten Menschen nur noch als Vorfahre des heutigen Haushundes, aus Märchen, Filmen oder aus dem Zoo bekannt. Für uns Grund genug, an dieser Stelle unser Wappentier, den Wolf, vorzustellen.
 
Biologie
Der Canis lupus (lat.) ist ein Säugetier, das zur Ordnung Carnivora: Raubtiere, Familie Canidae: Hundeartige gehört. Alle Hundeartigen haben einen kräftigen, muskulösen Körperbau, lange Beine und einen meist buschigen Schwanz, die Ohrmuscheln sind dreieckig und stehen aufrecht, die Schnauze ist stark verlängert. Die Fellfarbe der Wölfe variiert von fast weiß in den Polargebieten, über gelblich – braun bis hin zu fast schwarz in den südlichen Regionen. Bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Durch menschliche Verfolgung wurde diese Art fast ausgerottet, so dass der Wolf heute fast nur noch in kleinen, isoliert Beständen anzutreffen ist. Größere, zusammenhängende Populationen findet man nur noch in Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien und der Mongolei. Die meisten Wölfe bewohnen Grasland und Wälder. Ihre große Anpassungsfähigkeit ermöglicht es ihnen eine Vielzahl von Habitaten zu bewohnen. Obwohl man in der Wildnis auch einzelne Tiere antrifft, ist die normale Sozialordnung des Wolfes das Rudel. Ein Wolfrudel besteht in der Regel aus einem Elternpaar und deren Nachkommen. Die Jungtiere verbleiben bis zur Erreichung der Geschlechtsreife mit ca. zwei Jahren im Rudel, dann suchen sie sich ein eigenes Territorium. Gejagt und gefressen wir ebenfalls im Rudel, die Grundnahrung bilden dabei größere pflanzenfressende Säugetiere.
 
Mensch und Wolf
Bei Völkern, die von der Jagd lebten, wurde der Wolf als ebenbürtiger oder überlegender Konkurrent angesehen, dessen Ausdauer und Geschick verehrt wurde. Frühere Kulturen erbaten vom Wolf als einem „höheren Wesen“ Schutz, Gesundheit und Fruchtbarkeit. Der Stamm der Inuit in Nordamerika sieht den Wolf als Bruder und einige leben bis heute mit den Tieren zusammen. Bei vielen sesshaften Völkern wurde der Wolf als Feind betrachtet, der Nutztiere reißt. Durch die starke Ausbreitung von menschlichen Agrar- und Siedlungsflächen entstand zwischen Mensch und Wolf eine direkte Nahrungskonkurrenz. Zunehmende Ängste und Dämonisierung führten zu einer beispiellosen Ausrottung des Wolfes in West- und Mitteleuropa. In Deutschland wurde der letzte Wolf 1904 erlegt.
 
Mythologie
Auch in den vielen Sagen und Mythen über den Wolf ist das ambivalente Verhältnis des Menschen zu diesem Tier deutlich. Unter seinem Fabelname Isegrim erscheint der Wolf in vielen alten Sagen und Märchen. In dem berühmten Grimm – Märchen „Rotkäppchen und der böse Wolf“ frisst der Wolf erst die Großmutter und erscheint dann in den Kleidern der alten Dame, im Disney – Zeichentrickfilm „Three Little Pigs“ kommt er als schlaksiger, schwarzer Wolf in bunter Latzhose und Schlapphut daher. Dabei wird er in beiden Geschichten als hinterlistig und brutal, aber auch als dümmlich und tollpatschig dargestellt. In der germanischen Mythologie ist der Wolf das Symbol des Unterganges. Der Feriswolf, Sohn eines Gottes und der Riesin Angrboda (der Kummerbringerin), kündigt durch sein Geheul die Götterdämmerung an. In der griechischen Mythologie wird die Göttin Hekate, die mit dunkler Magie und Hexerei in Verbindung steht, in Begleitung von drei Wölfen dargestellt. Die Sage über die Entstehung der Stadt Rom berichtet, dass Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt wurden, ähnliches wird auch von den slowakischen Recken Waligor und Wyrwidub erzählt. Auch der Gründer des altpersischen Reiches, Kyros, soll von Wölfen aufgezogen worden sein. Der Mythos der Wolfskinder wurde in unserer Zeit von Disney im Familienfilm „Das Dschungelbuch“ verarbeitet. Hier erscheint der Wolf in einem positiven Licht, nämlich als fürsorglich und behütend. Die Geschichte über die Verwandlung eines Menschen unter dämonischen Einfluss in einen Wolf existierte schon in der griechischen Mythologie und wird bis heute als sog. Werwolfmythos immer wieder in Literatur und Film aufgegriffen.
 
Diana Schwonek

Unter Verwendung folgender Quellen:
– Whitfield, Dr. Philip (Hrsg.): Das große Weltreich der Tiere. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching

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