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Niedere Stände

BÜRGER

Eine mittelalterliche Bezeichnung für größere befestigte Siedlungen war „burgus“ (Burg), d.h. Stadt, ihre Einwohner heißen Bürger.

Sie bilden seit dem 12. Jh. einen eigenen Stand neben dem Adel und den Bauern. Vollberechtigte Bürger waren nur die Einwohner der Stadt, die hier Grund und Boden besaßen. Sie unterstanden nur der städtischen Gerichtsbarkeit. Man unterscheidet die Patrizier (Die Oberschicht) und die Handwerker (Mittelschicht) von der Unterschicht (Arme), die nicht berechtigt war, an der Stadtregierung (dem Rat der Stadt) mitzuwirken.

In der Neuzeit änderte sich die Bedeutung des Wortes „Bürger“. Einmal bedeutet es „Staatsbürger“, dann auch Angehöriger der Mittelschicht, der „bürgerlichen“ Klasse.

FAHRENDER HÄNDLER
Kaufmann, der mit seinen Waren durch das gesamte Land reiste. Oftmals hatten die Fahrenden Händler einen schlechten Ruf, denn eine spätere Beanstandung ihrer Waren, welche sie als beste Qualität anpriesen, war fast unmöglich, da sie sich bereits am nächsten Tag an einem anderen Ort befanden.

FREIE / FREIER
Personen vom Mittelalter bis ins 18. Jh., die im Gegensatz zum Leibeigenen von einem Grundherrn (d.h. Adligen) persönlich unabhängig, also frei waren. Sie konnten selbst über ihren Wohnort, ihren Ehegatten, ihre beruflicher Tätigkeit und deren Ausübungsregeln bestimmen.

Rechtlich waren sie besser vor willkürlichen Übergriffen der Adligen geschützt als die Leibeigenen. Auch der Lehnsmann, obwohl persönlich abhängig, galt als Freier. Das wesentlichste Kennzeichen des Freien war das Wergeld, später das volle Wergeld.

In germanischer Zeit war der Freie (Freihals, Kerl, ingenuus) im wesentlichen identisch mit dem waffenfähigen, dingfähigen Volksgenossen (daher volkfrei), dem Gemeinfreien im Besitz der vollen Rechte (vollfrei), von dem der Geburtsadel sozial, aber nicht rechtlich geschieden war. Er konnte vor allem über sein Eigentum völlig frei verfügen.

Im allgemeinen wurde der Freie durch den betrefffenden Volksnamen bezeichnet. Durch die Herrschaft der Franken wurde daher francus (homo) die alllgemeine Bezeichnung des Freien, das ältere liber vielfach verdrängend.

Außer den Freien von Geburt gab es solche durch Freilassung. Im Laufe des Mittelalters wurden einerseits die (sozial) unteren Schichten der Freien zu Mittelfreien, Minderfreien, Hörigen, sogar zu Leibeigenen, andererseits verschmolzen die höheren Schichten mit dem Geburtsadel zu den Hochfreien. Zu diesen Altfreien kamen die Ministerialen. In den Städten gab es nur Freie („Stadtluft macht frei“).

Im allgemeinen bezeichnet im Mittelalter Freier (in der Formel Fürsten, Grafen und Freie) den Freiherrn.

FREIBAUER
Bauer, der eigenes Land besaß oder gepachtet hatte. Im Gegensatz zum Leibeigenen war er nicht vom Grundherrn persönlich abhängig. Dies beinhaltete die freie Wahl des Wohnorts, des Ehegatten und der Auftragsarbeiten für andere. Er konnte nicht willkürlich verhaftet und bestraft werden.

FRONDEN
im weiteren Sinne alle Dienste, die in der Verrichtung körperlicher Arbeiten bestehen und unentgeltlich (oder doch nur gegen unverhältnismäßiges Entgelt) zu leisten sind. Sie haften entweder an der Person oder ruhen auf dem Grundstück. Sie sind entweder öffentliche (Gemeindefronden) oder Landesfronden (z.B. Wegeunterhaltungspflicht) oder private. Während im Mittelalter die letzteren hauptsächlich persönliche Fronden von Abhängigen (Hörigen, Leibeigenen usw.) waren. Der Herr, dem die Fronden zu leisten sind, braucht nicht identisch zu sein mit dem Grundherrn. Auch lasteten und lasten Fronden durchaus nicht nur auf Bauerngütern; auch grundherrlicher Besitz konnte zu Fronden (an den Landesherrn) verpflichtet sein.

und
Niedere Stände
Je nach Art, Umfang und Zeit unterscheidet man

Hand- und Spanndienste:
(Naturaldienste, Hand- und Fuhrfronden, Zug- und Fußrobote) hauptsächlich zur Feldarbeit; zur Arbeit im Wald; zu allerhand Fuhren usw. Da der Pflichtige dazu sein eigenes Gespann und Geschirr stellen muß, so können Spanndienste (z.B. Angerfahrten, Pflugfronden) nur von sogenannten spannfähigen Bauern verlangt werden, während Handdienste (z.B. Fußrobote, Handfronden) auch von ärmsten Bauern geleistet werden können.

gemessene und ungemessene Dienste:
(je nachdem die F. nach Zahl, Art, Ort und Zeit bestimmt sind oder wenigstens in einer Hinsicht unbestimmt) Ursprünglich waren die Dienste der Hörigen usw. ungemessen, wurden aber schon früh auf eine Anzahl Tage (Frontage) im Jahr bzw. im Monat oder in der Woche beschränkt, wobei dieser Zahl im allgemeinen im Laufe der Zeit abnahm, in Deutschland bis auf zwölf Tage im Jahr – ordentliche und außerordentliche Dienste: (Zwangsfronden und Bittdienste/Bittarbeit) zu ersteren zählten hauptsächlich die Feldarbeiten, zu den letzteren die Bau- und Jagdfronden, sowie die auf dem Gutshof zu leistenden Hofdienste. Die ordentlichen Fronden entstanden vielfach aus den ursprüngl. eine nachbarliche Hilfeleistung darstellenden außerordentlichen.

sässige und walzende Dienste:
(Reihendienste) je nachdem alle Pflichtigen gleichzeitig fronen oder die Arbeiten nach bestimmter Reihe unter ihnen wechseln. Doch versteht man unter walzenden Fronden auch solche, deren Art und Umfang sich nach der Leistungsfähigkeit der Pflichtigen richtet. Schon im Mittelalter wurden die Fronden vielfach durch Abgaben (Angerpfennig, Bede, Dienstgeld usw. ) abgelöst, besonders in den Gegenden, wo eine Gutsherrschaft nicht bestand. Vgl. Erbuntertänigkeit.

GRUNDHOLD
Andere Bezeichnung für einen „hörigen“ Bauern.

GESINDE
Insbesondere die Dienstboten eines Grundherrn oder eines Gutsherrn.

Bereits im Mittelalter hier und da, besonders aber seit dem 15. und 16. Jh. in Ostdeutschland und slawischen Ländern bestand der Gesindezwangsdienst, das heißt die Verpflichtung der Kinder der Leibeignen, Hörigen oderErbuntertänigen, einige Jahre auf dem Gutshof als Gesinde zu arbeiten.

Vorausgegangen war in derRegel die Vormiete, die Verpflichtung sich dem Gutsherrn zum Dienste anzubieten, bevor fremde Dienste angenommen wurden. Der Gesindezwangsdienst wurde zu Beginn des 19. Jh. meist aufgehoben.

Das Gesinde eines Gutshofs zerfällt in das unverheiratete Hausgesinde, das Lohn und Verpflegung erhält, und das verheiratete Deputatgesinde, das Lohn, Naturalien, Lohnland und unter Umständen Wohnung erhält, und sich vom Gutstagelöhner nur durch die Art der Arbeit unterscheidet.

HALBFREIER (unvollkommen frei)
Stand zwischen Freiem und Unfreiem, in der Regel mit halbem Wergeld. Halbfreie waren im Mitteleuropa in älterer Zeit die Liten, später die Hörigen. Die Halbfreien werden vielfach auch als Unfreie bezeichnet.

HEROLD
Da die Wappen recht umfangreich aufgebaut sein konnten und zudem strengen Regeln unterworfen waren, entstand der Beruf der Herolde, die Spezialisten der Wappenkunde waren. Sie kündeten u.a. beim Turnier die Kombattanten an.

HÖRIGER (Amts , Grund , Guts , Grundeigner, Grundholder, Hofeigner)
Eigentlich nur der dinglich Unfreie, das heißt der durch die an seinem Gut haftende Unfreiheit unfrei gewordene (Erbunterwerfung), der Halbfreie, der ein Zinsgut besaß, nach Hofrecht lebte, gemessene Dienste und bestimmte Abgaben (Zinshörigkeit) leistete. Der Hörige war glebae adscriptus (siehe Schollenpflichtigkeit), er konnte nicht ohne das Gut veräußert werden. Ein Höriger konnte gleichzeitig Leibeigner eines andren Grundherrn sein, auch konnte er freies Eigentum besitzen. Im Laufe des Mittelalters wurde seine Stellung dauernd besser, bis nur wenige Abgaben übrig blieben. Die Hörigen entstanden in nachkaroligischer Zeit einerseits aus den alten Liten, zu denen ehemals Freie kamen, die sich zunächst freiwillig oder unfreiwillig in Schutzhörigkeit begeben hatten und zu Hörigen geworden waren (Vergrundholdung), anderseits aus Leibeignen, die durch Ansiedlung Hörige geworden waren, endlich aus Freigelassenen. Im Laufe des späteren Mittelalters wurde die gesamte bäuerliche Bevölkerung Deutschlands im wesentlichen zu Hörigen. Da die Leibeignen in der Hörigkeit aufgingen, wurde diese auch als Leibeigenschaft bezeichnet. Anderseits wird Höriger für einen Unfreien überhaupt gebraucht. Auch die Schutzhörigen werden zu den Hörigen im weiteren Sinne gerechnet. Ursprünglich gab es Hörige nur bei den Westgermanen. Im Nordern erscheinen sie erst seit dem 14. Jh.

PATRIZIER (Stadtadel, -junker, cives nobiles, seniores)
Im Mittelalter, besonders im 12. und 13. Jh. die Bürgerfamilien, denen allein die Ratsfähigkeit zukam (daher auch Befreundete, Gefreundete, Gemeinde vom Rat, amicati civitatis) und aus denen die städtischen Ämter fast ausschließlich besetzt wurden. In der Regel waren es die reichsten Familien, aber nur die, welche alteingesessen (Vollbürger) waren. Manchmal wurden innerhalb des Patriziats noch besondere Rangklassen unterschieden. Der Name blieb auch noch nach Aufhören der alten Privilegien für die einschlußreichen Familien bestehen, teilweise bis heute.

Ursprünglich Adeliger des Römischen Reichs. Im Mittelalter wurden Mitglieder des reichen Bürgertums der Städte als Patrizier bezeichnet.

SCHOLAR
Aus dem Griechisch-Lateinischen stammende Bezeichnung für fahrende Schüler und Studenten im Mittelalter.

UNFREIER (manahoubit, home, mancipium, puer, servus, auch Lite) unterster Stand bei den Germanen. Der Unfreie war in der Regel unangesiedelter Knecht (Schlak, junior)
Hatte ursprünglich kein Wergeld, galt als Sache, hatte aber eine bessre Stellung als der römische Sklave. Im Laufe der Zeit erhielt er beschränkte Rechtsfähigkeit und schon in der ersten Hälfte des Mittelalters verschwanden die Unfreien im wesentlichen, indem sie teils ausdrücklich durch Freilassung, teils tatsächlich durch Ansiedlung, höhere Dienste und dergleichen in den Stand der Halbfreien oder Freien aufrückten. Vielfach werden die Halbfreien ebenfalls als Unfreie bezeichnet. Im engeren Sinne wurden die Unfreien, die angesiedelt waren und bäuerliche Dienste leisteten, als mancipia, das Hausgesinde dagegen als servi bzw. ancillae bezeichnet.

VASALL (vasallus, vassaticus, vassus)
Eigentlich unfreier Diener, dann in fränkischer Zeit der Freie (selten auch Unfreie), der in einem persönlichen Treueverhältnis, durch Kommendation begründet, zu einem mächtigen Herrn, einem potens oder dem König (dann vassus dominicus) als Schutzherrn (senior) stand (weshalb die Vasallität auch Seniorat heißt). Schon in altgallischer Zeit häufig, nahmen die Vasellen in spätrömischer Zeit so zu, dass sie und die seniores zusammen fast allein die Landbevölkerung bildeten. Der Vasalle stand im Abhängigkeitsverhältnis zum Herrn, in dessen Munt und wurde von ihm geschützt und vertreten, z.B. vor Gericht. Auch hatte er besondere Vorrechte, aber ursprünglich kein erhöhtes Wergeld. Dafür leistete er bestimmte Dienste, und zwar im Laufe der Zeit mehr und mehr nur kriegerische. Gleichzeitig nahm die Vasallität Formen der Gefolgschaft in sich auf (Treueid) und verschmolz im 9. Jh. mit ihr. Schon früh hatte der Vasall in der Regel eine precaria bzw. ein beneficium) erhalten (vasallitische Leihe), und so erschien er nunmehr als abgeschichteter Gefolgsmann und kam nur noch auf Gebot des Herrn zu Hofe: er wurde zum Lehensmann (siehe Lehen). Im Gegensatz zu diesem ausgebildeten Lehenswesen (Feudalität, Feudalwesen) bezeichnet man vielfach den oben erwähnten Zustand als Benefizialwesen.

 

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