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Beamte

ALMOSENPFLEGER
Von einem Adligen beauftragte Person, welche die Almosen an die Ärmsten der eigenen Bevölkerung verteilte.

AMTSADEL (Beamtenadel)
Adel, der an ein Amt geknüpft ist, meist persönlicher Adel, aber auch erblich. Vergleiche Dienstadel. Amtsadel war auch der ältere deutsche Reichsfürstenstand.

AMTSSASSE
Im allgemeinen der Einwohner eines Amtes. In Ostpreußen und den sächsischen Ländern der Adel oder ein anderer Stand, der Verordnungen usw. des Landesherrn, besonders die Ladungen zum Landtag, nicht unmittelbar, sondern durch Vermittlung des zuständigen Amtmannes erhielt.

Ferner erschien er nicht persönlich auf dem Landtag, sondrn schickte Deputierte. In späterer Zeit bedeutet Amtssasse einen Adligen, der sein Recht in erster Instanz nicht vor den höchsten Gerichten (Hofgerichte) fand.

BURGVOGT
Oberster Verwalter einer Burg und Stellvertreter des Burgherrn. Er organisierte den täglichen Arbeitsablauf auf der Burg.

HAUSMEIER
Truchseß (Merowinger) bzw. Seneschall, der bei den Franken seit ca. 600 n.Chr. Anführer der Antrustionen war und so das wichtigste Hofamt bekleidete.
Auf Grund seiner Stellung drängte er den König zur Seite und übte seit dem Sturz Brunhildes tatsächlich die königliche Gewalt aus (Anf. 7. Jh.).

Ursprünglich gab es mehrere Hausmeier nebeneinander, bis es den Arnulfingern gelang, das Majordomat erblich für das ganze Reich an sich zu bringen. Der Hausmeier nannte sich nun dux et princeps francorum, und seine hofamtliche Tätigkeit wurde einem besonderen Seneschall übertragen. Als 751 der bisherige Hausmeier Pippin König wurde, hob er das Amt des Hausmeiers auf.

HERR (dominus)
Im deutschen Mittelalter im weiteren Sinne jeder, der über dem Ritter stand; im engeren Sinne der Freiherr; dann vor allem der Lehensherr (siehe Lehen). Doch wird mit Herr jeder bezeichnet, der irgendwelche Rechte über Personen oder Sachen ausübt, z.B. der Gutsherr, Grundherr, Leibherr. Auch führten viele Landesherrn nur den Titel Herr.

MUNDSCHENK
Hofbeamter, der die Aufsicht über die Weinkeller und Weinberge führte. Ihm unterstanden die Bierbrauer, die Kellerer, aber auch die Einschenker, die an der Tafel des Herrn dienten.

SCHULTHEISS
Auch Schulze genannt. Dorfpolizist, der dem Stand der Bauern angehörte und auch von ihnen selbst gewählt wurde. Er ersetzte oft den Büttel und überwachte die Arbeit der Bauern, sammelte die Steuern für den Grundherrn ein, und meldete ihm jegliche Gesetzesübertretung auf dessen Lehen.

BÜTTEL
Vom Grundherrn eingesetzter Amtsträger ähnlich einem heutigen Polizisten. Er diente auch gleichzeitig als Verwalter auf den Ländereien des Herrn und sammelte die Abgaben, sprich Steuern, ein.

KÄMMERER
Angesehene Stellung eines Hofbeamten. Er war der oberste Diener des Burgherrn, dem die Leitung der Privatgemächer oblag.

Die Position des Kämmerers erweiterte sich im Laufe der Jahrhunderte soweit, daß er den gesamten Haushalt und die Güter seines Herrn beaufsichtigte und verwaltete. Er war zudem Aufseher und Hüter der Schatzkammer des Herrn.

KANZLER
Im Mittelalter meistens die höchste Stellung eines Hofbeamten unter dem Herrn. Er stellt Urkunden, Gerichtsurteile und Anordnungen des Grundherrn aus. In wichtigen Angelegenheiten war er der Stellvertreter des Grundherrn.

KONSUL
Im Mittelalter ursprünglich an der Spitze der Kaufleute einer Admiralschaft (daher consul sur mer), dann Vorstand einer ständigen Niederlassung von Kaufleuten einer Stadt an einem fremdem Handelsplatz, dem dann auch der Schutz über seine übrigen Landsleute übertragen wurde, so daß er sich teilweise zu einem Beamten und diplomatischen Vertreter entwickelte.

Der Konsul (im Norden Aldermann, Oldermann, comes hansae) hatte in der Regel die Gerichtsbarkeit über seine Landsleute. In älterer Zeit wurde er von diesen meist gewählt, später häufig von den Heimatbehörden ernannt. Es konnten auch mehrere Konsuln nebeneinander stehen.

MEIER
Ursprünglich der Beamte, der in einer Grundherrschaft bzw. einem Fiscus dem Fronhof (der daher auch Meierhof hieß) vorstand, das Salland bewirtschaftete, die Hörigen beaufsichtigte, als Rentmeister die Abgaben und Zinsen eintrieb und im Hofgericht Recht sprach; außerdem war er Dorfmeister, wenn die Genoßsame , wie meist, in einem Dorf angesiedelt war.; i. d. R. war er selbst Höriger.

Er erhielt außer einer oder mehreren Diensthufen Bezüge in Naturalien und Geld, sowie vertraglich festgesetzte Geschenke; ferner hatte er Anspruch auf Fronden der Bauern. Während ursprünglich einem Fronhof nur ein Beamter vorstand, wurde später vielfach die Gerichtsbarkeit von der Verwaltung getrennt; dabei bezeichnete dann in demselben Fronhof das eine Wort den Richter, das andere den Verwaltungsbeamten usw., aber ohne daß i. allg. eine dieser Bezeichnungen ausschließlich für einen dieser Beamten gebraucht worden wäre.

Die M., die einem Oberhof vorstanden oder mehrere Fronhöfe unter sich hatten, hießen vielfach ebenfalls M. und die ihnen unterstellten M. entweder auch M. usw. Seit dem 11. Jh. gelang es vielfach dem Meiern, Ministerialen zu werden und als solche versuchten sie, ihr Meieramt zum Lehen und damit erblich zu machen; sie weigerten sich, die Erträge des Gutes dem Gutsherrn abzuliefern und wollten nur noch den Lehensdienst leisten.

Teilweise gelang es den Grundherrn, dem zuvorzukommen, indem sie den Meiern dir Fronhöfe gegen eine feste Jahressumme überließen; tatsächlich war dies eine Pacht, das Meierrecht, das in allen Formen zwischen Freistift und Erbpacht auftreten konnte.

Meier wurde nun eine allgem. Bezeichnung vor allem für den Pächter, dann auch für den selbständigen Vollbauer, Meierhof für den Hof, besonders auch für das geschlossene Gut, Vermeierung für Verpachtung. Wo sich der Fronhof zu einem Dorf entwickelte, wurde der M. zum Dorfschulzen.

Die M. der landesherrlichen Fronhöfe wurden öfter zu landesherrlichen Beamten, zumal solche oft neben dem M. standen, z.B. besondere Richter für Schutzhörige und die Vogtleute, denen dann auch die Gerichtsbarkeit des M. übertragen wurde und umgekehrt. Beide Beamte verschmolzen allmählich miteinander.

MEIER wurde auch genannt:
Amman, Amtmann, Amtsmeier, Amtsschulze, Bauernvogt, Bomester, Dinghofmeister, Drost, Gewaltträger, Grundmeier, Gutsvogt, Hausmeister, Hof[amt]mann, Hofbauer, Hofmäder, Hofmeister, Hofschultheiß, Hubschultheiß, Kämmerer, Keller[er], Küchenmeister, Maher, Maier, Mehre, Meiervogt, Meiger, Pfleger, Redemeier, Schaffner, Schultheiß, Statthalter, Stiftsamtmann, Vogt, Vogtgrebe, Vogtmeier, Vormund, advocatus, conductor, dispensator, gastaldio, gastaldus, magister, major [villae], massarius, oeconomus, officialis, officiatus, procurator, provisor, scultetus curiae, syndicus, villicus

Beamte
und
MINISTERIALE (ministerialis)

1. In karolingischer Zeit der Beamte im allgemeinen
2. (Dienstmann, Edelknecht, Eigenmann, unfreier Ritter, casatus, minister, officialis, servicus, serviens, servus. Vgl. auch Servitium)

Unfreier (aber auch Freier), der zu ehrenvollen Diensten (z.B. Hofämter, Kriegsdienste) herangezogen wurde. Die Ministerialen erhielten daher allmählich statt der Zinsgüter Lehen und hoben sich so von den niederen Dienstleuten, denen gegenüber die M. als familia major et melior bezeichnet wurden, ab.

Im Laufe des 11. Jh.
schlossen sie sich zu einem besonderen Stand zusammen, zuerst in den geistlichen Heerschaften, erhielten ein besonderes Recht mit besonderem Gericht und die Erblichkeit ihrer Lehen. Jedoch bezahlten sie das Heergewäte, leisteten keine Mannschaft und konnten das Lehensverhältnis nicht einseitig lösen.

Erhielt der erwachsene M. kein Lehen vom Herrn, so stand es ihm frei, zu dienen wem er wollte. Der M. konnte von anderen Herren echte Lehen empfangen. dadurch verwischte sich der Unterschied zwischen M. (Altministerialen) und Lehnsmannen, auch dadurch, daß mit der Zeit Freie in die Ministerialität, besonders hohe Herren, eintraten.

Zu Beginn des 15. Jh.
erlosch daher der Stand der M. und bildete nunmehr einen Teil des niederen Adels. Den ersten Rang unter den M. nahmen die Reichsministerialen ein, zu denen stets auch die M. der geistlichen Fürsten zählten, auch die einiger weltlicher.

REICHSFÜRST(Fürst, princeps imperii)
Im Deutschen Reich bis etwa 1180 Inhaber eines bestimmten höheren Amtes (daher Amtsfürst), nämlich Erzbischof, Bischof, Reichsabt, Reichskanzler (Erzkanzler), Herzog, Markgraf, Pfalzgraf, Graf, gleichgültig, ob er sein Amt oder Lehen unmittelbar vom König oder einem anderen Fürsten empfing.

Im Gegensatz zu diesem älteren Reichsfürstenstand galten nach 1180 als weltliche Reichsfürsten (Laienfürsten) nur noch diejenigen, welche vom König mindestens ein Fahnlehen empfingen, und nicht von einem anderen Laienfürsten Lehen besaßen.

Geistliche Reichsfürsten waren (schon vor 1180) alle Prälaten, die ein Szepterlehen vom König empfingen, ohne Rücksicht auf ihre Stellung.
Die Reichsfürsten bildeten auf dem Reichstag den Reichsfürstenrat. Erhebung in den Reichsfürstenstand (Fürstung) war nur durch den Kaiser möglich, meist dadurch, daß ein Territorium zum Fahnlehen erhoben wurde. Reichsfürstinnen waren nur die Reichsäbtissinnen.

REICHSVOGT
Aus dem karolingischen actor dominicus hervorgegangener Reichsbeamter, der seit dem 10. jh. in einem größeren komplex (dominale Grafschaft) von Reichsgütern oder Domänen die Rechte des Grafen ausübte.
Reichsvogt hieß ferner der vom König als Obervogt einer Kirche usw. gesetzte Vogt.

STADTHERR
Im dt. MA derjenige, dem vom König die obrigkeitliche Gewalt über die Siedlung verliehen war. Der Stadtherr hatte vor allem das Marktrecht, er war Marktherr, daher hatte er stets Zoll und Münze.

Außerdem besaß er den Burgbann und überhaupt den Bann im Orte. Die hohe Gerichtsbarkeit besaß er nicht immer, stets dagegen die niedere. Seit dem 11. Jh. gelang es den Städten allmählich, ein Recht des S. nach dem anderen teils durch Vertrag, teils durch Gewalt an sich zu ziehen.

VOGT (Faut, advocatus, vocatus, vogatus)
AUCH: Bannherr, Bannvogt, freier Vogt, Freivogt, Waldbote, Gewaltschirmherr, Schirmvogt, Schutzvogt, Stiftsvogt, Vogt[ei]herr, actor ecclesiae

Ursprünglich Laie, der einen Geistlichen, eine Kirche, ein Kloster usw. in weltlichen Angelegenheiten nach außen vertrat, vor allem vor Gericht, dann auch das Kirchengut verwaltend.
Seitdem die Kirchen Immunitäten und Gerichtsherrn geworden waren, übte er diese Gerichtsbarkeit aus und vertrat die Immunitätsleute vor dem Ding.

Öfters besaß eine Kirche mehrere Vögte für ihre verschiedenen Besitzungen. Manchmal ließ der Vogt seine Vogtei von Stellvertretern verwalten (Untervögte); er selbst hieß dann Obervogt. Auch konnte die Vertetung vor Gericht usw. und der Schutz nach außen auf zwei Vögte verteilt werden.
Während der Vogt zunächst von der Kirche „cum comite et populo“ aus den Freien der Grafschaft ernannt wurde (Amtsvogt), kam das Amt seit Mitte des 9. Jh. allmählich als erbliches Lehen in die Hand mächtiger Herren (Edelvögte, Erbvögte, Herrenvögte, Lehensvögte), die es missbrauchten und Kirchen und Klöster zwangen, sie zu Vögten zu bestellen, so dass ihnen vielfach sogar eine Abgabe (Vogteirecht) entrichtet werden mußte; der Kirche blieb nur eine formelle Vogteioberhoheit. Die ursprüngliche Gerichtsvogtei nahm ebenfalls diese Entwicklung, ging jedoch seit dem 12. Jh. meist an den Landesherrn über, der sie als solcher beansprucht; teilweise gelang den Kirchen auch eine Entvogtung. Den Schutz nach außen übernahm in beiden Fällen der Landesherr als Schirmvogt.

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