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Adel

ADEL

Hervorgehobene gesellschaftliche Gruppe, die sich bewußt z.B. von den Bürgern der Stadt und Bauern abhob. Im Mittelalter zeichnete man sich vor allem durch Grundbesitz, aber auch durch Geburt und erbliche Vorrechte als Adliger aus.

Pos. Titel Herkunft Bedeutung, Funktion
1 König (rex) und Kaiser (imperator) gewählter Fürst oberster Lehns- und Kriegsherr
2 geistliche Fürsten geistlicher Hochadel Erzbischöfe, Bischöfe, Reichsäbte
3 Fürsten (principes) weltlicher Hochadel direkte Lehensnehmer des Königs
4 Grafen und Freiherren meist niederer (Land-) Adel Verwalter des Landes
5 Ministeriale und schöffenbare Freie niederer Adel oder Unfreie Amtsinhaber, Verwalter, …
6 Mannen des 5. Heerschildes —– —–
7 restliche rittermäßge Leute —– —–
BANNERHERR
Ein Ritter mit Befehlsgewalt über andere Ritter.
DIENSTADEL
aufgrund des des Königsdienstes (höheres Amt, besonders des Grafen, und Gefolgschaft) entstandener Adel, der sich, als die Ämter erblich wurden, zu einem erblichen Amtsadel entwickelte, dessen Träger die späteren Landesherren (siehe Landeshoheit) wurden. Der Geburtsadel verschmolz allmählich mit ihm zum hohen Adel. Die Kurfürsten wurden mit 18 Jahren majorenn. Sie hatten die privilegia de non appellando und de non evocando, ferner das Münzrecht und bestimmte Regale. Verbrechen gegen sie galten als Majestätsverbrechen.
FÜRST (princeps)
a) allgem. Bezeichnung für ein monarchisches Staatsoberhaupt

b) im alten Deutschen Reich zunächst der Gaufürst, später Reichsfürst. Als besonderer Titel erscheint der Fürst in Deutschland erst nach dem Dreißigjährigen Krieg für die Reichsfürsten, die keinen anderen Titel führten. Er stand nunmehr im Rang zwischen Herzog und Graf. Nach 1803 wurde der Titel auch Fürst auch von den bisherigen Landesherren verliehen.

GRAF (judex publicus, praefectus, praeses)
Vertreter der öffentlichen Gewalt. Seit merovingischer Zeit an der Spitze eines besonderen Verwaltungsbezirks; zuerst nur Vollstreckungsbeamter mit militärischer Gewalt (vgl. Heerbann); seit Karolingern durch Verdrängung des thunginus (Richter, lex salica) ordentlicher Richter im Gau und zwar Hochrichter mit besonderem Grafenbann, später regelmäßig mit Königsbann, außerdem mit polizeilichen und fiskalischen Befugnissen. Ursprünglich reiner Beamter, der wahrscheinlich aus der königlichen Hausherrschaft und Dienstmannschaft hervorgegangen ist und der im Auftrage des Königs bei den Thingversammlungen für die Durchsetzung des dort besprochenen Rechts zu sorgen hatte. Erhielt seit Ludwig I. sein Amt zu Lehen (seit 9. Jh. erblich). Sein militärischer Charakter tritt zurück, ausschließlich Richter. Das Amt wurde seit 10. Jh. an Geistliche und an juristische Personen vergeben. Die alten Grafschaften wurden geteilt oder vereinigt, durch Immunitäten und Exemtionen gesprengt, und die Würde des Grafen verlor ihren Amtscharakter. Graf wurde Titel eines Landesherrn. Während es einem Teil der Grafen gelang, Reichsfürsten oder doch Reichsstände zu bleiben, wurden viele im Laufe des späten Mittelalters landsässig. Die deutschen Grafen gehören daher teils zum hohen, teils zum niederen Adel (zum letzteren besonders auch die Grafen, die ihren Titel einer Verleihung verdanken).

HERZOG (dux)
Altgermanischer Zeit:
Für den Kriegsfall gewählter Anführer der Völkerschaften mit sogenannter Prinzipatsverfassung, im Stammeskönigtum aufgegangen.

In merovingischer Zeit:
Über mehrere Grafen gesetzter, ihnen aber nur im Range übergeordneter Beamter (Amtsherzog), der vor allem militärischer Anführer seines Herzogtums war, außerdem den Landfrieden zu wahren hatte.

In karolingischer Zeit:
Titel der Markgrafen. Im 7. und 8. Jh. (älteres Stammesherzogtum), dann wieder seit dem 9. Jh. (jüngeres Stammesherzogtum), entstand aus diesem Amtsherzog in Deutschland ein ziemlich souveräner Stammesherzog mit wesentlich militärischem Charakter.

Ca. seit Ende des 12. Jh’s:
wurde aus dem Stammesherzog ein Territorialherzog; andererseits wurde Herzog zum bloßen Titel (Titularherzog). Im Allgemeinen bildet der Herzog die höchste Stufe des Adels; in Deutschland steht der Großherzog über ihm.

JUNKER
Ursprünglich im Mittelalter die Bezeichnung von Söhnen der Mitglieder des Hochadels. Später Bezeichnung für adlige Gutsherrn und allgemeine Bez. für junge Adlige.

KNAPPE
Vorstufe des Ritters. Ein junger Adliger der im Dienst eines Ritters steht. Er ist dessen Gehilfe und Lehrling. Er betreute das Pferd, die Ausrüstung und Rüstung des Ritters. Zu seinen Aufgaben gehörte es, dem Ritter in die Rüstung zu helfen, ihn in die Schlacht zu begleiten, ihn bei Tisch zu bedienen oder als sein Bote aufzutreten. Mit 14 Jahren begann die Ausbildung und endete normalerweise damit, daß der Knappe selber mit 21 Jahren in den Ritterstand erhoben wurde. Der Knappe wurde in dieser Zeit von seinem Ritter beschützt sowie im Reiten und Waffenhandwerk ausgebildet, aber auch in höfischer Etikette unterrichtet.

KURFÜRST (elector)
Im Laufe des 13. Jh. im Deutschen Reich ausgebildete Würde, die ausschließlich zur Wahl des Königs berechtigte (Kurrecht, Kürrecht) und zunächst sechs Reichsfürsten (als Vorwähler) zustand: drei geistliche (Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln) und drei weltliche (Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Sachsen und Markgraf von Brandenburg); seit 1289 trat als siebter der König von Böhmen hinzu. Die Kurfürsten ware Träger der Erzämter (daher auch Erzfürsten). Sie traten (seit 1338) wiederholt, zuletzt 1558 zu Kurfürstentagen (Kurvereine) zur Beratung von Reichsgelegenheiten zusammen. Daraus entstand im 15. Jh. eim vom Reichsfürstenrat getrenntes Kur[fürsten]kollegium des Reichstags, das unter dem Direktorium von Mainz stand. Als Wahlkörper stimmte es seit 1338 bzw. 1356 nach dem Mehrheitsprinzip ab, vorher war Einstimmigkeit erforderlich. Die Stimmabgabe geschah in der Neuzeit regelmäßig durch besondere Bevollmächtigte. Durch die Goldene Bulle von 1356 erhielten die Kurfürsten alle Privilegien der Krone Böhmens. Das Kurfürstentum war unteilbar und nach dem Recht der Primogenitur (siehe Majorat) vererblich, die Kurwürde war mit ihm verbunden.

LEHENSFÜRST
Seigneur justicier seigneur justicier, der königliche Rechte, besonders das Recht Ordonnanzen zu erlassen, erlangt hatte. Er war durchaus nicht immer Kronvasall, sondern vielfach Aftervasall, besaß aber meist einen besonderen Titel (duc, comte, vicomte, marquis). Auch in lateinischen Texten werden die Lehensfürsten ganz allgemein z.B. als magnates, principes, proceres, viri divites bezeichnet, in der deutschen Literatur auch als Großvasallen.

MARKGRAF
Von Karl den Großen geschaffenes Amt, das entweder mehrere Grafschaften an der Grenze vereinigte, oder außerhalb des eigentlichen Reiches auf erobertem Land ein größeres, ungeteiltes Gebiet, eine Mark umfaßte. Der Markgraf hatte die Stellung eines Herzogs und unterschied sich vom Grafen vor allem dadurch, daß die von ihm bestellten Richter nicht der königlichen Bannleihe bedurften, also nur Vertreter des Markgrafen waren: er besaß einen besonderen Markgrafenbann. In den Grafschaften, die der Markgrafschaft außer der Mark angehörten, war der Markgraf nur Graf. Als die Markgrafen höhere Titel (Kurfürst, später Großherzog) annahmen, ging der bisherige häufig an Brüder oder jüngere Söhne des regierenden Fürsten über und wurde weiterhin von Nebenlinien geführt.

MUNT (Mund, mundeburdis, mundium, Mundialgewalt, Vogtei, Vogtschaft)
In den westgermanischen Rechten ein Schutzverhältnis, das auch Gewalt und Vertretungsrecht in sich schloß. Vgl. Sippe. Außer der Gewalt des Familienhauptes über Familienmitglieder (Hausgewalt) fiel unter den Begriff der Munt das Verhältnis des Herrn (als Muntherr) zum Hörigen, Schutzhörigen und Freigelassenen (als Muntleuten), die Vogtei über Fremde und Kirchen, der Königsschutz und ähnliche Verhältnisse (geschützte Freiheit). Vgl Vasall. Im Laufe des Mittelalters wurde die Munt wesentlich ein familienrechtlicher Begriff. In der Familie stand sie dem Vater als Muntherrn zu. Sie erlosch bei weiblichen Gliedern mit deren Verheiratung, da dann die Frau in die Munt (Ehevogtei) ihres Mannes überging. Bei männlichen Gliedern erlosch sie durch Gründung eines selbständigen Haushaltes oder Eintritt in fremde Hausgenossenschaft, außerdem durch rechtsförmliche Aufhebung (emancipatio) vor Gericht. Im übrigen erlosch sie durch den Tod des Vaters und ging auf den nächsten großjährigen Verwandten (meist ältester Sohn) über.

PFALZGRAF (Palatin)

Merovingische Zeit:
Beamter, der über die Verhandlung im Königsgericht an die Kanzlei zwecks Ausstellung der Gerichtsurkunde berichtete.

Karolingische Zeit:
Vertreter des Königs im Gericht und Vorsitzender der Gerichtsschreiber, auch als Gesandter usw. verwandt.

Seit dem 9. Jh.:
Hofpfalzgrafen wurden mehr und mehr eine Art Provinzialminister, endlich im 9. und 10. Jh. territoriale Pfalzgrafen. Teilweise als Gegengewicht gegen die Herzöge von König eingesetzt, insbesondere auch zur Beaufsichtigung des Königsgutes (vgl. Reichsgut).

Im 13. Jh.:
Verschwanden sie In Deutschland bis auf den fränkischen Pfalzgrafen ‚bei Rhein‘, der auch weiterhin Stellvertreter des Königs blieb (nur bei Thronerledigung als Reichsvikar).

PAGE
Junger Adliger, der meist mit sieben Jahren sein Heim verließ, um an einem fremden Hof zu dienen und dort ausgebildet zu werden. Auf dem anderen Gut erlernte er dann Lesen und Schreiben sowie die höfischen Sitten, erhielt aber auch Unterricht im Waffenhandwerk und Reiten. Mit dem 14. Lebensjahr konnte er dann von einem Ritter in den Knappenstand aufgenommen werden.

RITTER
Adelsstand des Mittelalters, der aus den berittenen, gerüsteten Kriegern hervorging.
Das Rittertum basierte auf der Gesellschaftsform des Feudalismus.

Diese Gesellschaftsform beinhaltete vor allem den Grundzug, daß sich eine Person, der sog. Lehnsmann oder Vasall, freiwillig einem höhergestellten sog. Lehnsherrn verpflichtete.

Der Ritter stand also im Dienste eines anderen Adligen und erhielt von diesem Schutz, Unterkunft und Verpflegung. Im Gegenzug leistete der Ritter seinem Lehnsherren militärischen Dienst, verteidigte dessen Ehre und Ruf, sprach Recht für ihn und beriet ihn in wichtigen Angelegenheiten.

Der Lehnsherr stattete seinen Lehnsmann meist mit dem sog. Benefizium aus, d. h. der Lehnsmann erhielt ein Lehen, um seinen Unterhalt zu gewährleisten. Somit oblagen dem Ritter die Verwaltungsaufgaben auf dem Land, das er für seinen Herrn hielt. Diese gesellschaftliche und rechtliche Verbindung wurde durch eine öffentliche Zeremonie, dem Schwur des Lehnseid, bekanntgegeben. Durch diesen Schwur wurde ein unverbrüchliches ewiges Band der Gefolgschaft zwischen den beiden Personen geschlossen, die aus der germanischen Tradition des Gefolgschaftswesen entstanden war.

Nach dem Ableisten der gegenseitigen Treueschwüre, war der Vasall „eines anderen Mann“, oder wurde auch als „Mann von Hand und Mund“ bezeichnet. Um in den Stand eines Ritters erhoben werden zu können, mußte ein genau vorbestimmter Lebensweg beschritten werden. Der angehende Ritter hatte zuerst als Page und danach als Knappe seine Befähigung zum Ritter unter Beweis zu stellen. Wurde er als würdig empfunden, erhob ein höhergestellter Adliger ihn im Alter von ca. 21 Jahren durch das Ritual der Schwertleite, seit dem 13. Jh. ersetzt durch den Ritterschlag, in den Ritterstand.

Dem Ritter oblag nicht nur die Ausübung des Kriegshandwerks, sondern sein Stand übernahm im Laufe der Jahrhunderte in der Gesellschaft eine Vorbildfunktion, die das Edle im Menschen charakterisierte.

Der Ritter wurde zur Verkörperung des Guten im Menschen und sollte bestimmten Tugenden folgen, die den anderen Gesellschaftsschichten als Verhaltens-vorgabe dienen sollten. Zu diesen Tugenden gehörten vor allem Treue, Tapferkeit, Gerechtigkeit, Gnade und der Schutz der Schwachen. Der Ritter sollte ebenfalls im Sinne der Kirche den Wahren Glauben beschützen.

DIE RITTERWEIHE
Seit dem 12. Jh. durfte sich nicht mehr jeder Adlige Ritter nennen.
Dieser Titel, der erst in der zweiten Hälfte des 11. Jhs. eingeführt wurde, stellte nämlich mittlerweile eine Auszeichnung dar, die man sich, ob König, Graf, Ministeriale oder Nichtadliger, erst einmal verdienen mußte.

Im 12. Jh. wurden die ersten nichtköniglichen Schwertleiten in Deutschland erwähnt. Da sie sehr kostspielig waren, fanden sie zunächst nur in den mächtigsten und angesehensten Fürstenhäusern statt. Häufig wurden wegen der hohen finanziellen Belastung mehrere adlige Herren zugleich zu Rittern geweiht, wie es im 13. Jh. allgemein üblich wurde.

Einige Landesherren ließen gegen Ende des 13. Jhs. ihre Untertanen durch die Einführung einer Sondersteuer für die Schwertleite ihrer Söhne aufkommen.

Der Ritterschlag, d.h. der Schlag mit der Hand oder dem Schwert auf den Nacken oder mit der flachen Klinge auf die linke Schulter, wurde in Deutschland erst im 14. Jh. eingeführt. In Frankreich soll er schon vorher angewandt worden sein. Ein vorgeschriebenes Alter mußte, nebenbei bemerkt, der Ritterkandidat nicht aufweisen.

Vermutlich waren die meisten Teilnehmer älter als 18 Jahre, denn sie mußten mit den verschiedenen Waffen umgehen können. Nach oben hin schien es dagegen keine Grenzen zu geben. Graf Raimund von der Provence war immerhin schon 50 Jahre alt, als er im Jahre 1235 zum Ritter geweiht wurde.

Im 14. Jh. sah das schon wieder anders aus. Einige hohe Herren verliehen den Rittertitel so häufig und so wahllos, daß er schließlich an Wert verlor. In der Ritterweihe wurde dem Ritterkandidaten nach einer durchwachten Nacht, die er betend vor einem Altar verbracht hatte, ein geweihtes Schwert überreicht. Diese Schwertleite, also die Übergabe des Schwertes, stellt einen sehr alten Rechtsakt dar, der schon bei den Karolingern in Gebrauch war.

Dem jungen Herrscher, der das Mannesalter von 12 Jahren erreicht hatte, wurden schon im 8./9. Jh. feierlich die Waffen übergeben. Durch diesen formellen Akt war er erst berechtigt, selbständig zu handeln, in den Krieg zu ziehen, gekrönt zu werden oder zu heiraten. Anscheinend war diese Schwertleite damals nur im Königskreis üblich.

STIFTSADEL
stiftsmäßiger Adel, Turnieradel, turniermäßiger Adel Adel von ursprünglich acht, später sechzehn (unter Umständen auch 32) Ahnen, wie er zur Besetzung der Stellen an Stiftern, zur Teilnahme an Turnieren usw. verlangt wurde. der in einem bestimmten Stift ansässige Adel

STAMMESKÖNIG
Bei den Germanen, bis in die Völkerwanderungszeit im wesentlichen nur im Osten, der an der Spitze eines Stammes als oberster Heerführer, Priester und Richter stehende, aus Erbwahl hervorgegangene König. Vgl. Herzog.

URADEL
Im allgemeinen jeder Adel, der nicht auf eine Erhebung in den Adelsstand zurückgeht (vgl. Briefadel), z.B. auch der Geburtsadel. In Deutschland gilt als uradlig eine Familie, die schon vor 1400 (bis 1350 vor 1350) als adlig erwähnt wird, also ritterbürtig war (ritterbürtiger Adel) und deren Adel niemals später irgendwie bestätigt oder erneutert wurde. Im alten Deutschen Reich zählten die Urgrafen und Urfreiherren, das heißt die Grafen und Freiherren, deren Titel so alt war, dass er keines urkundlichen Nachweises bedurfte, zum hohen Adel.

 

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