Skip to content

Das Interregnum

Das Interregnum (Kaiserlose Zeit 1254 – 1274)

Bereits 1254 hatte sich am Rhein nach italienischen Vorbildern ein Städtebund zur Sicherung des Landfriedens gebildet, dem sich bald auch Städte, Fürsten, Grafen und Herren in anderen Regionen anschlossen.

König Wilhelm hatte sich 1255 an dessen Spitze gestellt. Nach seinem Tod verpflichtete der Landfrieden seine Mitglieder, nur einen einmütig gewählten König anzuerkennen. Als es Anfang 1257 zu der erwarteten Doppelwahl kam, konnten sich die Mitgieder allerdings nicht auf einen Kandidaten einigen; der Bund löste sich auf.

Als Inhaber von Stimmen bei der Königswahl traten 1257 erstmals die geistlichen und weltlichen Fürsten auf, die künftig als „Kurfürsten“ das Stimmrecht bei diesen Wahlen monopolisieren sollten: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, der König von Böhmen, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg. Die Sieger der Auseinandersetzung mit den Staufern, die geistlichen Kurfürsten, dominierten diese und – bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts hinein – auch die folgenden Königswahlen.

Das Interesse der schließlich gewählten Kandidaten, des Königs Alfons X. von Kastilien und des Grafen Richard von Cornwall, eines Bruders des Königs von England, galt vor allem den Möglichkeiten, die sich daraus für die Mittelmeerpolitik ihrer Häuser ergaben. Alfons hat deutschen Boden niemals betreten. Richard war bis zu seinem Tod im April 1272 viermal in Deutschland.

Die auf die Regelung der Machtverhältnisse in Süditalien konzentrierten Päpste griffen nicht zugunsten eines Gewählten ein. In weiten Teilen des Reiches agierten die Territorialherren, als sei der Thron des Reiches nicht besetzt.

Bereits in zeitgenössischen Quellen wurde diese Zeit als „Interregnum“ bezeichnet. Nur wenige, denen an Legitimierung bestimmter Herrschaftsansprüche gelegen war, wandten sich an einen der Könige. So ließ etwa der König von Böhmen seinen Zugriff auf Österreich und die Steiermark durch König Richard bestätigen.

Nach Richards Tod forderte der Papst die Kurfürsten zur Wahl eines neuen Königs auf. Diese ließen sich bei dieser (und den folgenden Wahlen) von eigenen, territorialpolitischen Interessen leiten. Dies schloß aus, daß ein Mitglied einer Familie gewählt wurde, die zu den führenden Mitgliedern des Kollegiums in territorialpolitischer Konkurrenz stand. Eine Sohnesnachfolge entsprach ebensowenig den Interessen der Kurfürsten.

Bezüglich der politischen Nähe zu den schließlich gewählten Königen, die sich etwa in Besuchen am Hof ausdrückte, gab es in der Folge innerhalb des Reiches große Unterschiede: es gab königsnahe, königsoffene und königsferne Landschaften (P. Moraw).

Die ersten Könige nach dem Interregnum gingen aus Grafengeschlechtern der königsnahen und königsoffenen Landschaften hervor. Auch in königsfernen Regionen (etwa im Norden) wurde aber die Zugehörigkeit zum Reich nicht in Frage gestellt.

 

Primary Sidebar