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Salier

Salier (1024 – 1125)

Unter den Thronanwärtern waren zwei Vettern namens Konrad, die dem um Worms und Speyer begüterten Geschlecht der Salier angehörten und von einer Tochter Ottos I. abstammten.

Am 4. September 1024 wurde auf Betreiben des Erzbischofs von Mainz Konrad der Ältere zum König gewählt. Anfangs gab es einige Widerstände. Die Herrschaft Konrads II., der sich bewußt in die Tradition der Ottonen stellte, war jedoch nie gefährdet. Er konnte auch die nach dem Tod seines Vorgängers teilweise zusammengebrochenen Positionen in Italien zurückgewinnen.

Ostern 1027 wurde er in Anwesenheit der Könige von Hochburgund und Dänemark in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt. An der Ostgrenze gab es zu Beginn der Regierung einige Rückschläge; erst 1033 konnte mit König Miezko von Polen Frieden geschlossen werden. Im gleichen Jahr gelang die von Heinrich II. vorbereitete Erwerbung (Hoch-) Burgunds.

Unter Heinrich III., der dem Vater im Juni 1039 folgte, erreichte das Reich einen Höhepunkt seiner Macht. Der König konnte in Böhmen, Polen und Ungarn seinen Einfluß geltend machen. Im Dezember 1046 griff er in Rom ein und ließ den Bischof von Bamberg zum Papst erheben, der ihn zusammen mit seiner Gemahlin an Weihnachten zum Kaiser krönte.

Die enge Zusammenarbeit setzte sich unter den nächsten Päpsten fort. Die Einflußnahme auf die Besetzung des Stuhles Petri zog dem Kaiser allerdings den Unwillen der kirchlichen Reformpartei zu, die die Freiheit der Kirche durch die Eingriffe von Laien im Kern bedroht sah. Bei der Ausübung seiner Herrschaft im Reich stützte sich der Kaiser, wie bereits sein Vater, zunehmend auf Dienstleute unfreier Herkunft (Ministerialen), die nur ihm verpflichtet waren. Dies führte zu Unzufriedenheit in weiten Kreisen des Adels, die Anspruch auf Teilnahme an der Herrschaft erhoben.

In mehreren Herzögtümern kam es zu Aufständen. Die von Reformzentren in Lothringen über das gesamte Reich ausgreifende monastische Reformbewegung wurde vom Kaiser unterstützt; 1055 veranstaltete er zusammen mit dem Papst in Florenz eine große Reformsynode. Daß die auch von ihm fortgesetzten Eingriffe bei der Besetzung der Bischofsstühle die Verfechter der Reform immer mehr gegen ihn aufbringen mußten, ist dem Kaiser wohl nicht bewußt geworden. Am 5. Oktober 1056 ist Heinrich III. unerwartet gestorben.

Sein Sohn Heinrich IV., 1054 zum König gewählt, war zunächst noch unmündig. Seine Mutter Agnes, die für ihn die Regentschaft führte, agierte unglücklich. 1062 wurde der junge König durch den Erzbischof Anno von Köln entführt, der, bedingt durch die Verfügung über die Person des Königs, fortan de facto die Regentschaft führte.

Neben ihm gewannen zeitweise andere Geistliche an Einfluß. Gleichzeitig kam es zur Entfremdung gegenüber der kirchlichen Reformpartei, die an der Kurie zunehmend an Einfluß gewann und im Papstwahldekret von 1059 den Einfluß von König und Kaiser zugunsten der seitdem die Wahl dominierenden Kardinäle zurückdrängte.

Wegen der Besetzung des Erzbistums Mailand kam es zum Konflikt. Gleichzeitig lösten die Versuche des jungen Königs, mittels Verwendung – zudem landfremder – Reichsministerialen die in den letzten Jahren verlorengegangenen Besitzungen und Rechte in Thüringen und Sachsen wieder in die Hand zu bekommen, in diesen Regionen einen Aufstand aus.

Im Frieden von Gerstungen (Febr. 1074) mußte der König Zugeständnisse machen. Im Juni 1075 konnte er die Sachsen jedoch bei Homburg an der Unstrut (bei Bad Langensalza) schlagen. Während dieses Aufstandes hatte sich Heinrich IV. wegen der Besetzung des Erzbistums Mailand zurückhalten müssen.

Der neue, seit April 1073 regierende Papst Gregor VII. war seit Jahren der Motor der Reformpartei an der Kurie gewesen. Sein Zerwürfnis mit dem Kaiser wurde im Januar 1076 offensichtlich (sogenannter Investiturstreit).

Eine Mehrheit im Reichsepiskopat kündigte dem Papst den Gehorsam auf. Im Februar 1076 bannte der Papst den König und löste seine Untertanen vom Treueid. Eine wachsende, in Verbindung mit den papsttreuen Bischöfen stehende Fürstenopposition betrieb die Absetzung Heinrichs. Sie lud den Papst ein, über die Alpen zu kommen, um ihren Streit mit dem König zu entscheiden. Um dies zu verhindern, zog der König seinerseits dem Papst entgegen.

Am 28. Januar 1077 erreichte er in Canossa die Lösung vom Bann, nachdem er sich verpflichtet hatte, die Konflikte mit den Fürsten beizulegen und dem Papst für die Weiterreise Geleit zu gewähren. Ungeachtet dessen wurde im März in Anwesenheit päpstlic her Legaten ein Gegenkönig (Rudolf von Rheinfelden) gewählt. Trotz mehrerer Schlachten kam es nicht zu einer Entscheidung. Im Oktober 1080 starb Rudolf, nachdem er im Kampf die rechte Hand verloren hatte. Ein kurz darauf gewählter Nachfolger (Hermann von Salm) fand nur geringen Anhang.

Nachdem Gregor VII. Anfang März 1080 den König erneut gebannt hatte, kam es zum offenen Bruch. Die Mehrheit des Episkopats beiderseits der Alpen stand weiter zu Heinrich IV., der den Erzbischof von Ravenna zum (Gegen-) Papst nominierte, mit ihm nach mehreren vergeblichen Versuchen bis Rom vorstieß, ihn dort zum Papst (Clemens III.) wählen und sich anschließend von ihm zum Kaiser krönen ließ (31. März 1084). Clemens fand auch in anderen Ländern Europas Anerkennung. Der Widerstand in Sachsen brach zusammen. 1087 konnte Heinrich IV. seinen Sohn Konrad zum König wählen lassen.

1090 gelang es Papst Urban II., die süddeutschen und italienischen Gegner des Kaiser zusammenzuführen. Dessen Eingreifen in Italien wurde erforderlich. Der Übertritt des jungen Königs Konrad zur päpstlichen Partei (1093), dem 1094 die Flucht der zweiten Ehefrau des Kaisers folgte, machte Heinrich IV. eine Rückkehr über die Alpen unmöglich. Er war die nächsten Jahre in Venetien eingeschlossen. Erst 1097 gelang die Rückkehr. 1098 wurde Konrad abgesetzt, sein jüngerer Bruder Heinrich zum König gewählt. Der Kaiser blieb in Deutschland weitgehend anerkannt. Der 1102 erneut gegen ihn ausgesprochene Bann ließ ihn unbeirrt.

Anfang 1105 fiel der junge König Heinrich V. vom Vater ab. Zahlreiche Große traten auf seine Seite und lösten sich so von der Partei des gebannten Kaisers. Der Papst befreite den Sohn von den dem Vater geleisteten Eiden. Weihnachten 1105 geriet der Kaiser in die Gefangenschaft des Sohnes; am 31. Dezember 1105 verzichtete er auf den Thron. Da Heinrich IV. noch über Anhänger verfügte, kam es zu militärischen Auseinandersetzungen; Heinrich V. erlitt im März eine schwere Niederlage. In dieser Situation starb Heinrich IV. am 7. August 1106 in Lüttich.

In den Streitschriften der vergangenen Jahrzehnte waren die Positionen der Parteien herausgearbeitet worden. Umstritten war vor allem die Investitur der Bischöfe. Die begriffliche Unterscheidung zwischen dem geistlichen Amt und den weltlichen Hoheitsrechten wies den Weg zu einer Lösung. Der König sollte künftig nur noch die Güter und materiellen Rechte (Regalien) verleihen. Ähnliche Lösungen waren auch in England und Frankreich gefunden worden.

Zunächstscheiterten jedoch die Verhandlungen. Heinrich V. zog über die Alpen, nahm den Papst gefangen und nötigte ihn zu Zugeständnissen. Am 13. April 1111 ließ er sich zum Kaiser krönen. Erst ein Wechsel auf dem Papstthron brachte die Verhandlungen wieder in Gang. In Anwesenheit des Kaisers und päpstlicher Legaten wurde in Worms ein Kompromiß erzielt (Wormser Konkordat, 23. Sept. 1122).

Die freie Wahl von Bischöfen und Äbten entsprechend dem kanonischen Recht wurde zugestanden. Sie sollte in Gegenwart des Königs stattfinden, der die Gewählten noch vor der Weihe belehnen sollte. Die Bischöfe wurden somit zu Lehnsleuten des Königs. Es bildete sich der für das Reich so charakteristische Stand der geistlichen Reichsfürsten.

Da Heinrich die vom Vater begonnene Politik fortsetzte und sich dabei auf die Reichsministerialen und das Stadtbürgertum stützte, geriet auch er in Gegensatz zu den Fürsten, diese diese Aktivitäten als Konkurrenz zu ihrer Territorialpolitik empfanden. An deren Spitze standen der Herzog von Sachsen und der Erzbischof von Mainz. 1115 mußte Heinrich Sachsen fluchtartig verlassen. Zum Zeitpunkt seines Todes (23. Mai 1125) hatte der Kaiser in Teilen des Reiches jeden Einfluß verloren. Heinrich V. war kinderlos geblieben.

 

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