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Ottonen

Ottonen (918 – 1024)

Im Mai 919 wählten Franken und Sachsen Heinrich I. zum König. Die Schwaben blieben der Wahl fern; die Bayern erhoben den eigenen Stammesherzog. Durch Zugeständnisse gelang es Heinrich, auch die Anerkennung dieser Stämme zu erlangen und ihre Herzöge an sich zu binden. Damit verlagerten sich die Machtgrundlagen des Königtums in den Norden und Osten des Reiches.

Heinrich I. begann im Rückgriff auf karolingische Traditionen, die Kirche in den Dienst der königlichen Politik zu stellen. Diese von den Nachfolgern fortgesetzte Politik führte zur Entstehung des Reichskirchensystems. Anders als in den Nachbarländerrn übten fortan im Reich die Erzbischöfe, Bischöfe und etliche Äbte weltliche Herrschaft aus. Ihre Leistungsfähigkeit, auch auf militärischem Gebiet, wurde zu einer wesentlichen Stütze des Königtums.

Dieses System setzte allerdings voraus, daß die Könige auf die Besetzung der Bischofsstühle Einfluß nahmen. Diese wurden vielfach mit Männern besetzt, die zuvor in der Umgebung des Königs, insbesondere in der mit der Herstellung der Urkunden befaßten Hofkapelle, gedient hatten.

Interne Auseinandersetzungen boten Heinrich I. die Gelegenheit, in Lothringen einzugreifen. 921 erlangte er gegen den Verzicht auf Lothringen von Karl dem Einfältigen die Anerkennung als König der Ostfranken (rex Francorum orientalium). Durch Wirren im Westreich begünstigt, konnte er dennoch 925 Lothringen auf Dauer an das Ostreich anschließen und seinen Machtbereich bis zur 843 festgelegten Westgrenze des Mittelreiches vorschieben.

Die Beziehungen zu den Königen von (Hoch-) Burgund wurden 935 durch ein Bündnis gefestigt. Große Verdienste erwarb sich Heinrich bei der Abwehr der Ungarn; im März 933 konnte er sie bei der Ritteburg (an der Unstrut) schlagen. Der Grenzsicherung gegen die Slaven dienten Vorstöße über die Elbe und die Errichtung der Burg Meißen. 936 designierte Heinrich I. seinen Sohn Otto zum alleinigen Nachfolger. Der karolingische Brauch der Reichsteilung wurde aufgegeben. Am 2. Juli 936 ist Heinrich I. in Memleben an der Unstrut gestorben.

Otto I. wurde im August 936 in Aachen von den Großen des Reiches zum König gewählt; Krönung und Salbung schlossen sich an. Von diesen Vorgängen ging eine normbildende Wirkung für die Zukunft aus. Die erste Phase der Regierung des neuen Königs war von Auseinandersetzungen mit den Stammesgewalten erfüllt. Der fränkische Herzog Eberhard fiel am 2. Oktober 939 in der Schlacht von Andernach; der König setzte keinen Nachfolger ein, sondern behielt das Herzogtum in der eigenen Hand. Die Vergabe anderer Herzogtümer an die nächsten Verwandten löste die Probleme nicht; auch diese empörten sich gegen den König.

Nach dem Tod König Lothars von (Nieder-) Burgund ausbrechende Auseinandersetzungen veranlaßten den König 950 zum Eingreifen in Oberitalien. Im September 951 empfing er als König der Langobarden die Huldigung der Großen. In Anlehnung an den von Karl dem Großen geführten Titel nannte Otto sich künftig rex Francorum et Langobardorum. Er heiratete in zweiter Ehe Adelheid, die Witwe Lothars, die in den nächsten Jahrzehnten auch politisch eine wichtige Rolle spielte.

Am 10. August 955 konnte Otto mit einem Heer, das aus Aufgeboten aller Stämme mit Ausnahme der Lothringer bestand, auf dem Lechfeld südlich Augsburg die Ungarn vernichtend schlagen. Das Reich blieb künftig von deren Einfällen verschont. Im August 961 brach der König, vom Papst zu Hilfe gerufen, erneut nach Italien auf. Am 2. Februar 962 wurde er zusammen mit seiner Gemahlin zum Kaiser gekrönt und gesalbt. Otto trat auch in diesem Punkt in die karolingische Tradition ein.

Die Grenzverteidigung nach Osten wurde grundlegend neu organisiert. Mehrere Marken wurden eingerichtet, mit der Missionierung unter den Slaven wurde begonnen. Diesen neuen Erfordernissen wurde auch die kirchliche Organisation angepaßt: 967 wurde das Erzbistum Magdeburg gegründet, dem die bereits bestehenden Bistümer Brandenburg und Havelberg sowie die ebenfalls neu gegründeten Meißen, Merseburg und Zeitz (später nach Naumburg verlegt) zugeordnet wurden.

966 mußte der Kaiser ein drittes Mal in Italien eingreifen. Dabei kam es 969 auch zu einer militärischen Auseinandersetzung mit dem byzantinischen Kaiser. Dessen Nachfolger Johannes Tzimiskes erkannte schließlich das Kaisertum Ottos an und gab seine Nichte Theophanu dem Sohn und Nachfolger Otto II. zur Frau (April 972). Am 7. Mai 973 ist Otto I. – wie sein Vater in Memleben an der Unstrut – gestorben.

Otto II., bereits seit 967 Mitkaiser, sah sich 974 einer Rebellion seines Onkels Heinrich, des Herzogs von Bayern, gegenüber, der mit den Fürsten von Böhmen und Polen verbündet war. 977 drangen Truppen des westfränkischen Königs Lothar bis nach Aachen vor; der Vergeltungsfeldzug führte Otto II. bis vor Paris. 980 verzichtete Lothar in aller Form auf Lothringen. In Süditalien betrieb Otto II., auch unter dem Einfluß seiner Ehefrau Theophanu, eine offensivere Politik als der Vater. Dabei erlitt er am 13. Juli 982 bei Capo Colonne eine vernichtende Niederlage gegen die Sarazenen. 983 überrannten die Slaven, möglicherweise durch die Nachricht von der Niederlage des Kaisers ermuntert, das Grenzssystem an der mittleren Elbe. Das Gebiet zwischen Elbe und Oder ging – mit Ausnahme der Marken Lausitz und Meißen – verloren. Am 7. Dezember 983 erlag der Kaiser in Rom den Folgen der Malaria.

Sein gleichnamiger, noch keine vier Jahre alter Sohn wurde im Dezember 983 zum König gewählt. Bevor die Mutter aus Italien eintraf, hatte sich Herzog Heinrich von Bayern des Kindes bemächtigt. Ostern 984 ließ Heinrich sich selbst zum König wählen. Dies rief den Widerstand einer Partei unter den Fürsten hervor, die ihn nötigten, am 29. Juli 984 in Rohr in Südthüringen das Kind an seine Mutter zu übergeben, die nun, unterstützt vom Erzbischof von Mainz, die Regentschaft übernahm.

Nach Theophanus Tod (Juni 991) folgte die Großmutter Adelheid, Witwe Ottos I., in dieser Funktion. Seit September 994 regierte Otto III. selbständig. Er zog im Frühjahr 996 nach Italien, fand aber den Papst, der ihn zu Hilfe gerufen hatte, nicht mehr lebend vor. Daher bestimmte er einen Vetter zum Nachfolger, der als erster Deutscher den päpstlichen Thron bestieg und Otto am 21. Mai 996 zum Kaiser krönte. Dieser stellte sich bewußt in die Tradition Karls des Großen, dessen Grab in Aachen er im Jahr 1000 feierlich öffnen ließ.

Unterstützt vom Papst und dem aus seinem Bistum vertriebenen Bischof Adalbert von Prag erstrebte Otto III. die christliche Erneuerung des römischen Reiches (Renovatio imperii Romanorum). Dem diente die Führung des Titels Romanorum imperator Augustus und die Errichtung einer Pfalz auf dem Palatin in Rom.

Zur Errichtung eines Erzbistums, dessen Patron sein persönlicher Freund Adalbert wurde, der 997 bei der Mission der Pruzzen den Martyrertod erlitten hatte, begab sich der Kaiser zu Beginn des Jahres 1000 nach Gnesen in den Machtbereich des Polenfürsten Boleslav Chrobry.

Dabei wirkte der Kaiser ebenso mit dem Papst zusammen wie 1001 bei der Gründung des Erzbistums Gran, mit dem Ungarn eine eigene kirchliche Struktur gegeben wurde. Am 24. Januar 1002 ist Otto III. unerwartet gestorben.

Um den Thron bewarben sich mehrere Kandidaten. Am 7. Juni 1002 wurde Herzog Heinrich von Bayern, ein Urenkel König Heinrichs I., von den Bayern, Franken und Lothringern zum König gewählt. Heinrich II. fand innerhalb weniger Monate im gesamten Reich Anerkennung. Er konzentrierte sich zunächst auf die Konsolidierung der Verhältnisse in Deutschland.

In Schwaben, Bayern und Kärnten konnte er seinen Anspruch auf das Recht zur Einsetzung der Herzöge erfolgreich durchsetzen. Ebenso hat er erfolgreich die Leistungsfähigkeit der Kirche für das Reich dienstbar gemacht. 1004 wurde das Bistum Merseburg wieder-, 1007 das Bistum Bamberg neu errichtet. Mit dem Polenfürsten Boleslav Chrobry kam es mehrfach zu bewaffneten Auseinandersetzungen.

1006 schloß Heinrich II. einen Erbvertrag mit dem König von (Hoch-) Burgund, der allerdings erst nach seinem Tod wirksam wurde (1033). Der König hat mehrfach in die Verhältnisse in Italien eingegriffen. Im Februar 1014 wurde Heinrich II. zusammen mit seiner Frau Kunigunde vom Papst zum Kaiser gekrönt. 1021 konnte er den Angriff eines byzantinischen Heeres zurückschlagen. Am 13. Juli 1024 ist Heinrich II. kinderlos gestorben.

 

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