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Karolinger

Das Reich der Karolinger (751- 899)

Im Jahr 754 ließ König Pippin die zunächst von fränkischen Bischöfen vorgenommene Salbung durch den Papst wiederholen; dieser bezog auch die Söhne Karl und Karlmann in die Salbung ein. In Erfüllung eines dem Papst gegebenen Versprechens zog Pippin 754 und 756 über die Alpen und kämpfte erfolgreich gegen die Langobarden. Der Papst gewann dabei einen weltlichen Machtbereich in Mittelitalien, den sogenannten Kirchenstaat, der letztlich bis zur politischen Einigung Italiens 1866 bestand.

Nach Pippins Tod regierten die Söhne zunächst gemeinsam. Einem drohenden Zerwürfnis und einer bewaffneten Auseinandersetzung kam der Tod Karlmanns zuvor. König Karl setzte das Werk des Vaters in Italien fort. Das Langobardenreich wurde 773/74 endgültig zerschlagen. Karl führte fortan den Titel eines Königs der Langobarden. 778 unternahm er einen wenig erfolgreichen Feldzug über die Pyrenäen gegen den Emir von Córdoba; in der Folgezeit wurde die Grenzverteidigung des Reiches in Katalonien ausgebaut.

Zwischen 772 und 805 hat Karl in mehreren, teilweise sehr blutigen Feldzügen die im Nordwesten des heutigen Deutschland siedelnden Sachsen seinem Machtanspruch unterworfen. Teile des Volkes wurden deportiert; Ortsnamen (Sachsendorf; -hausen usw.) weisen bis heute auf so entstandene Orte hin; das Land wurde in Missionssprengel (Bistümer) eingeteilt und die Christianisierung der Sachsen eingeleitet. In Bayern wurde Herzog Tassilo, der sich dem zunehmenden politischen Einfluß Karls entziehen wollte, 788 abgesetzt, sein Land in die Verwalungsorganisation des fränkischen Reiches einbezogen.

791 und 795 zog Karl gegen die das heutige Ungarn beherrschenden Avaren, deren Reich er 811 endgültig zerschlug. Der König war deshalb 799 die gegebene Zuflucht für Papst Leo III., als dieser von polirischen Gegnern aus Rom verdrängt wurde. Karl stellte dessen Rückführung sicher und kam im folgenden Jahr selbst nach Rom. An Weihnachten 800 setzte ihm der Papst in St. Peter zu Rom die Kaiserkrone auf und begründete damit das Kaisertum des Mittelalters. Die überragende Machtstellung des Karolingers im Westen Europas wurde so anerkannt. Er stand, auch vom Titel her, auf einer Stufe mit dem in Byzanz/ Konstantinopel regierenden (ost-) römischen Kaiser.

Herrschaft wurde während des gesamten Mittelalters im Umherziehen ausgeübt. Die Könige verfügten über ein Netz entsprechend ausgebauter Stützpunkte (Pfalzen), in denen der Hof angemessen untergebracht und aus der Umgebung mit Lebensmitteln versorgt werden konnte. Zur notwendigen Ausstattung an Gebäuden zählten immer auch Kirchen oder Kapellen. Karl hat in seinen jüngeren Jahren, auch bedingt durch die zahlreichen Feldzüge, große Teile seines Reiches persönlich kennengelernt. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens aber verbrachte er immer längere Zeiträume in Aachen, das daher mit repäsentativen Bauten ausgestattet wurde, von denen die Marienkapelle bis heute vorhanden ist.

Unter Karl dem Großen umfaßte das Frankenreich schließlich das Gebiet der heutigen Staaten Frankreich, Belgien, Luxemburg und Niederlande sowie große Teile Deutschlands und Italiens. Als die Staatsmänner dieser Länder in den 1950er Jahren daran gingen, ein vereintes Europa zu schaffen, lag es daher nahe, auf gemeinsame Traditionen, eben auf die Zeit Karls des Großen, zu verweisen.

Karl hatte mehrfach Nachfolgeregelungen getroffen, die eine Teilung des Reiches unter seinen Söhnen vorsahen. Seit 811 lebte jedoch nur noch der jüngste Sohn, Ludwig, der 813 zum Mitregenten angenommen wurde und 814 dem verstorbenen Vater folgte.

Ludwig setzte politisch andere Schwerpunkte. Der Einfluß der Kirche am Hof nahm stark zu. 817 traf der Kaiser, dem Vorbild des Vaters folgend, eine Nachfolgeregelung. In der Kaiserwürde sollte ihm der zum Mitkaiser erhobene Sohn Lothar folgen, der alleine berechtigt war, das Reich nach Außen zu vertreten. Die jüngeren Brüder Ludwig und Pippin (gestorben 838) erhielten Teilreiche unter seiner Oberhoheit. 829 änderte Ludwig diese Regelung zugunsten seines jüngsten, aus zweiter Ehe stammenden Sohnes Karl. Dies stieß auf den Widerstand der Söhne aus erster Ehe, besonders des Mitkaisers Lothar.

Da in der Führungsschicht in den letzten Jahren die Unzufriedenheit über den Kaiser und seine Politik gewachsen war, kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen, die sich letztlich bis zum Tod Ludwigs des Frommen 840 hinzogen. Vertreter der Reichseinheit war zuletzt nur noch Lothar. Seine jüngeren Brüder, Ludwig (der Deutsche) und Karl (der Kahle) konnten sich eigene (Teil-) Reiche im Osten und Westen des karolingischen Imperiums sichern.

Ihr politisches Bündnis besiegelten sie 842 in Straßburg. Die dabei jeweils gegenüber den Gefolgsleuten des Bruders geleisteten „Straßburger Eide“ gehören zu den ältesten Denkmälern der deutschen und französischen Sprache. Durch den Vertrag von Verdun (843) wurde die Aufteilung in ein Mittel- (Lothar), ein Ost- (Ludwig) und ein Westreich (Karl) festgeschrieben. Mit dem Tod Ludwigs des Frommen setzt somit der Zerfall des Karolingerreiches ein, an dessen Ende die Staaten des Mittelalters stehen, auf die sich die Mehrzahl der heute in Europa bestehenden Nationalstaaten zurückführt.

Auf das Ost- und das Westreich wird weiter unten ausführlich eingegangen. Das an Lothar gefallene Mittelreich, das sich in einem schmalen Band von der Nordseeküste bis nach Mittelitalien erstreckte, wurde nach dem Tod des Kaisers (855) unter seinen drei Söhnen aufgeteilt.

Der älteste, Ludwig II. (gestorben 875), der in der Kaiserwürde nachfolgte, erhielt Italien, Karl (gestorben 863) Burgund und die Provence, Lothar (gestorben 869) den Nordteil, der zunächst als Reich Lothars (regnum Lotharii), später als Lothringen bezeichnet wurde; für die südlichen egionen dieses Teilreiches hat sich der Name bis heute gehalten. Karls Gebiet wurde 863 unter seinen überlebenden Brüdern aufgeteilt. Nach Lothars Tod wurde das karolingische Reich im Vertrag von Meerssen (870) neu geteilt: Ludwig der Deutsche erhielt die Osthälfte Lothringens mit Aachen. Italien fiel nach dem Tod Kaiser Ludwigs an Karl den Kahlen, der vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Karl starb 877, sein Sohn und Nachfolger bereits 879. Die Enkel mußten 880 im Vertrag von Ribémont auch die Westhälfte Lothringens an die Söhne Ludwigs des Deutschen abtreten. Die so entstandene Grenze zwischen Ost- und Westreich ist während des gesamten Mittelalters maßgeblich geblieben.

Die Schwäche der Dynastie führte dazu, daß in Burgund und in Italien Adelsfamilien fränkischer Herkunft, die den Karolinger verwandtschaftlich verbunden waren, eigene Reiche errichten und den Königstitel annehmen konnten.

879 wurde Graf Boso (von Vienne), Schwiegersohn des Karolingers Ludwig II., zum rex provinciae erhoben; der Herrschaftsbereich erstreckte sich entlang der Rhone. Sein Sohn Ludwig wurde 887 von Kaiser Karl III. als König anerkannt und 901 zum Kaiser gekrönt, aber 905 geblendet und aus Italien vertrieben. Seine Nachfolger Hugo und Lothar griffen wiederholt in die Geschicke Italiens ein. Der Tod Lothars (950) löste eine Intervention König Ottos I. aus.

888 hatte sich der zur Familie der Welfen gehörende Graf Rudolf zum König von Hochburgund wählen lassen. Zu seinem Machtbereich gehörte der größte Teil der heutigen Schweiz. Krönungsort war Lausanne. Sein Sohn Rudolf II. schloß 935 ein Bündnis mit dem (deutschen) König Heinrich I.. Die guten Beziehungen wurden auch unter den beiderseitigen Nachfolgern gepflegt. Aufgrund eines 1006 geschlossenen Erbvertrages fiel das Königreich (Hoch-) Burgund im Jahr 1033 an das Reich.

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