Skip to content

Die Merowinger

Die Merowinger (511 – 751)

Gründer des Reiches waren König Childerich und sein Sohn Chlodwig, von denen bereits die Rede gewesen ist. Nach Chlodwigs Tod (511) wurde gemäß den Erbgewohnheiten der Franken das Reich unter seinen vier Söhnen aufgeteilt, die in Reims, Orléans, Paris und Soissons residierten. Jeder besaß einen Anteil am fränkischen Kernland sowie an Aquitanien.
Die Söhne setzten die Expansionspolitik des Vaters erfolgreich fort: die Reiche Thüringer (531) und Burgunden (534) wurden erobert und dem eigenen Machtbereich eingegliedert. 536 mußten die Ostgoten die Provençe und westlich angrenzende Gebiete abtreten. König Theuderich konnte die große Teile Oberitaliens seiner Herrschaft unterwerfen. Von 558 bis 561 konnte dessen Bruder Chlothar I., der jüngste Sohn Chlodwigs, noch einmal das gesamte Reich in seiner Hand vereinigen.

Nach seinem Tod wurde es erneut unter den vier Söhnen aufgeteilt. Biologische Zufälle bestimmten in den folgenden Jahrzehnten das Schicksal der so entstandenen Teilreiche, deren Regenten oft minderj ährig waren und ebenso oft Mordanschlägen zum Opfer fielen. Die tatsächliche Macht war zumeist in Händen Dritter. Ausnahmen waren König Chlothar II. (613-629) und sein Sohn Dagobert I. (629-638/39). Dieser mußte allerdings bei der Regelung der Erbfolge dem Wunsch der Mächtigen in den vormaligen Teilreichen folgen und einem Sohn den Osten des Reiches (Austrasien), dem anderen den Westen (Neustrien) und Burgund vermachen. Die folgenden Könige gerieten immer stärker in Abhängigkeit von Adelsgruppen, deren wichtigste, die tatsächliche Macht ausübenden Vertreter den aus römischer Tradition stammenden Titel eines Maior Domus (Hausmeier) führten.

In Austrasien war dieses Amt über Generationen in Händen einer von Bischof Arnulf von Metz abstammenden Familie (Arnulfinger); 687 konnte der austrasische Hausmeier Pippin die Macht im gesamten Frankenreich in seine Hand bringen. Nach seinem Tod begann eine Nachfolgekrise, aus der schließlich sein aus einer Nebenehe stammender Sohn Karl als Sieger hervorging. Er konnte im Oktober 732 bei Poitiers die aus Spanien vordringenden Araber schlagen; dieser Sieg brachte ihm den Beinamen Martell (der Hammer) ein und sicherte seinen Nachkommen, den Karolingern, endgültig die Macht im Frankenreich. Die unangefochtene Stellung erlaubte es Karl Martell, ab 737 ohne König zu regieren. Nach Karls Tod (741) kam es erneut zu einer Krise und zur Einsetzung König Childerichs III., des letzten Merowingers. Karls Söhne Pippin und Karlmann reorganisierten mit Unterstützung des vom römischen Papst autorisierten Angelsachsen Winfried (Bonifatius) die fränkische Reichskirche. 751 setzte Pippin, legitimiert durch die Zustimmung des Volkes und eine Aussage des Papstes, den letzten Merowinger ab und ließ sich selbst zum König wählen.

Dem Mangel an königlicher Abstammung, die die Merowinger auch noch zu einem Zeitpunkt für das Königtum legitimiert hatte, als es nur ein leerer Titel ohne tatsächliche Macht war, wurde durch eine sakrale Legitimation abgeholfen. Die Salbung wurde zum konstituierenden Bestandteil einer Königskrönung; das „Gottesgnadentum“ (F. Kern) wurde so begründet.

Primary Sidebar