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Recht

BANN (bannitus, bannum, bannus)
1. Zunächst das Recht der Obrigkeit, insbes. des Königs (Königsbann), zu gebieten und zu verbieten (Banngewalt); dann die Strafe, die bei Verletzung des Bannes eintritt (B.brüche, B.buße); endlich das Gebiet dieser Gewalt (B.bezirk, Herrschaftsbezirk). Je nach dem Tätigkeitsgebiet unterscheidet man verschiedene Einzelbänne, meistens drei: Friedensbann, Verwaltungsbann, Verordnungsbann (vgl. Heerbann). Der Bann kann übertragen werden (Bannleihe), vom dt. König seit dem 10. Jh. , wobei sich der B. entweder auf einen geschlossenen Bezirk (Stadtfriede) bezieht oder Zubehör eines Gutes ist. Ein solches Bannrecht kann sich auch nur auf besondere Gerechtsame beziehen und die dazu nötige zwingende Gewalt (z.B. Burgbann (Aufbietung zum Burgdienst), Forstbann, Gewerbebänne. Vgl. auch Acht, Zwing und Bann
2. = Exkommunikation
3. = Schlag

BENEFIZIUM (beneficium) = Prekarie und Zinsgut = Lehen
bezeichnet die Verleihung (als Wohltat), dann auch das verliehene Gut (Prekarieland) und verdrängte allmählich die anderen Ausdrücke. Leihe, für die dem Beliehenen nur geringe oder gar keine Gegenleistungen auferlegt werden; auf Lebenszeit verliehen

BENEFICIUM ECCLESIASTICUM
Benefizium mit dem das Recht des Genusses irgendwelcher Einkünfte verbunden ist und das von zuständiger Stelle für immer errichtet wurde. (Wort seit 9. Jh., Sache selbst seit 5. Jh.)

DING (Bankgericht, Dinggericht, Dingmal, Rechtstag, Stab, Tageding, Thing, mallus, plebiscitum) Volksversammlung im allgemeinen, im besonderen öffentliche Gerichtsversammlung an feststehendem Platz, wozu ursprünglich alle Freien als Dingmannen zu erscheinen berechtigt (Dingfähigkeit) und verpflichtet (Dingpflicht) waren (Vollgericht).
Man unterschied:

echtes Ding (Echtding, eliches Recht, Etting, Grafending, Grafengericht, Herrending, Vollding, conciliumconventus, mallum principale, mallus legitimus, placitum generale) zu feststehenden Terminen vom Grafen abgehalten, für causae majores (verhältnismäßig selten, z.B. unter Karl der Große dreimal jährlich mit je dreitägiger Dauer in jeder Hundertschaft, aber für die ganze Grafschaft zuständig)

gebotenes Ding (Botschaft, gekauftes Gericht, Kaufgericht, Notding, weisung, placitum cotidianum, später Zentgericht) nach Bedürfnis (i.d.R. alle 14 Tage) vom Grafen oder Zentenar gehalten, für causae minores, mit Dingpflicht nur für die Schöffen Obwohl die ungebotenen Dinge der Form nach teilweise bis ins 18. Jh. fortbestanden, wurden tatsächlich schon im späteren Mittelalter die Gerichte, sowohl die Landgerichte wie auch die Zentgerichte usw. als auch besonders die Stadtgerichte, nur noch in der Form der gebotenen Dinge abgehalten.

FEHDE
Außergerichtliche gewaltsame Auseinandersetzung, in der einer, der ein Unrecht (ein Verbrechen usw.) erlitt, sich an dem, der es ihm zufügte, zu rächen versucht. An der Fehde sind in der Regel die Familien, Sippen oder Gefolgschaften der Streitenden mitbeteiligt. Alle Waffenfähigen (Adlige, Freie, Städte) konnten sich durch die Fehde selber Recht verschaffen.

GERICHTLICHER ZWEIKAMPF
Zweikampf zur Schlichtung eines Rechts- oder Ehrenstreits.

GOTTESURTEIL
Wichtiger Bestandteil der „Rechtsprechung“ bis ins 13.Jahrhundert. Der Idee nach ging man davon aus, daß Gott auf der Seite des rechtschaffenen, unschuldigen Menschen stehe, so daß er Schaden von diesem abwenden werde. Ein Beschuldigter mußte eine Probe bestehen. Bestand er diese, befand er sich im Recht, da man davon ausging, daß Gott ihm beigestanden hatte. Verbreitete Proben waren: Zweikampfprobe, Kesselfangprobe, Feuerprobe, Wasserprobe und Kreuzprobe.

GERICHTSHERR
1. Inhaber der Gerichtsgewalt, heute nur noch Träger der Staatsgewalt, früher auch z.B. der Gutsherr. Vgl. Landeshoheit.
2. (Ratsrichter, Richteherr, censor) Mitglied eines Stadtrates, das ursprünglich als Beisitzer dem Vogt bzw. dem Schultheiß beigegeben war. Gerichtsherr für Strafsachen hießen auch Blutherren. In Hamburg und Lübeck erhielten die Gerichtsherren seit dem späteren Mittelalter den Vorsitz im Stadtgericht und waren außerdem Einzelrichter für geringere Sachen. Vgl. Rittmeister.
GOLDENE BULLE 1356
wichtigstes Grundgesetz des Hl. Röm. Reiches Kaiser Karls IV.
Die Goldene Bulle kodifiziert in lateinischer Sprache das Recht der Königswahl, sichert die exponierte Stellung der Kurfürsten (Kurfürstenverfassung) und regelt das Zeremoniell für die feierliche Repräsentation des Reiches. Ferner enthält sie das Verbot aller Bündnisse, mit Ausnahme der Landfriedenseinigungen.

GRAFENBANN (bannus comitus)
Dem Grafen zustehender Bann, insbesondere der Vorbann. Dann auch die Buße, die auf Bruch desselben stand

HANDFESTE
Urkunde, die vom Aussteller durch Handauflegen bekräftigt wurde. Dieser Schutzbrie sicherte Privilegien eines bestimmten Personenkreises. Bekannteste Anwendung ist die Verleihung des Stadtrechtes.

LANDGERICHT (Landrecht, cometia, judicium comitiale, judicium majus, judicium provinciale, placitum provinciale, placitum terrae commune)
seit fränkischer Zeit das echte Ding des Grafen, für die Grafschaft zuständiges Hochgericht, seit dem 13. Jh Gericht für Adel, höhere Geistlichkeit und Städte, auch Lehensgericht, nunmehr als höheres Landgericht von dem bisherigen Zentgericht als niederem Landgericht geschieden. Letzteres trat für die unteren Stände an die Stelle des alten echten Dings, mit hoher Gerichtsbarkeit (daher nunmehr Hochgericht). Es war in Strafsachen Untergericht gegenüber dem höheren Landgericht als Obergericht, in Zivilsachen in der Regel erste und letzte Instanz. Seit dem späteren Mittelalter wurden die meisten Landgerichte zu territorialen Gerichten und vielfach in ihrer territorialen Kompetenz stark beschränkt, teils gingen sie auch in Dorf- oder Stadtgerichten auf oder wurden durch die Gerichtsbarkeit der Amtmänner ersetzt.

LÜBISCHES RECHT
Recht der (Reichsstadt) Lübeck und seines Stadtrechtskreises (über 100 Städte des Ostseeraumes); neben dem Magdeburger Recht das bedeutenste deutsche Stadtrecht. Eine Grundlage war das Soester Stadtrecht.

MAGDEBURGER RECHT
1188 erstmals kodifiziert im 13.Jh. weiteste Verbreitung bedeutendes deutsches Stadtrecht

PRINZIPATSVERFASSUNG
In der Literatur üblich für die Verfassung einer germanischen civitas, bei der die Leitung in den Händen von Gaufürsten lag und nur im Kriegsfall ein Herzog als alleiniger Führer gewählt wurde

REGALIENRECHT
Das dem Kirchenherrn, besonders dem König zustehende Recht, während einer Sedisvakanz (Nichtbesetzung eines hohen geistlichen Amtes) die Einkünfte des verstorbenen Bischofs oder Erzbischofs einzuziehen und freie niedere geistliche Lehen zu vergeben

REICHSUNMITTELBAR (reichsimmediat, reichsfrei)
im alten Deutschen Reich jede natürliche oder juristische Person, die keinem Landesherrn unterstand, sondern unmittelbar dem König. Reichsfreiheit besaßen außer den Reichsständen die Reichsritterschaft und die Reichsdörfer, ferner die Inhaber von Reichsgut und die Reichsbeamten, d.h. vor allem die Mitglieder der Reichsgerichte.

REICHSACHT
Ausschluß aus der Rechts- und Friedensgemeinschaft, nach Jahr und Tag folgte der Bann.

SACHSENSPIEGEL
Von Eike von Repgow um 1235 erstellte Aufzeichnung des in Nordostdeutschland geltenden Rechtes.

SCHLAG (Bann, Esch, Flur, Koppel)
bei der Dreifelderwirtschaft einer der drei Teile , in welche die gesamte Dorfflur zerfiel, und deren jeder jeweils mit derselben Frucht bestellt wurde. Die Schlage zerfielen in Gewanne.

SIEGEL
Ein persönliches Prägezeichen eines Adligen, das zur Beglaubigung eines Schriftstücks verwendet wurde. Das Siegel, das meist aus Metall hergestellt wurde, konnte auf dem Schriftstück in Wachs oder Siegellack eingeprägt werden. Siegellack wurde meist aus Fichtenharz hergestellt. Ein Dokument bekam nur durch dieses Siegel Gültigkeit, da eine Unterschrift im heutigen Sinne bedeutungslos war. Da das Siegel ein wichtiges Beweisstück für die Echtheit eines Dokumentes war, wurde es sorgfältig verwahrt, meist persönlich vom Kanzler. Das Siegel eines Adligen spiegelte normalerweise sein persönliches Wappen wieder.

SOESTER STADTRECHT
um 1120 Aufzeichnung des Soester Stadtrechts. Um 1200 Ratsverfassung mit Beteiligung der Bürgerschaft an der Stadtregierung (1260/1283 revidiert und ergänzt). Bis 1622 Mitglied der Hanse erhielten ca. 60 westfälische Städte sowie Lübeck (Grundlage des Lübecker Rechts)

SPOLIENRECHT (Nachlaßrecht, exuvarium jus, spolii jus)
Anspruch auf den Nachlaß eiens Geistlichen, insbesondere eines Bischofs. Im Mittelalter von den Königen, Patronen und anderen Machthabern ausgeübt, im 14. Jh. auch vom Papst.

STADTRECHT (Bauersprache, Burgrecht, Bürgerrecht, Freiheit, Geburrecht, Markrecht, civile jus, civitatis jus)
Summe der innerhalb einer Stadt geltenden Rechtsnormen (vgl. Stadtfriede), sowie der rechtlichen Beziehung zwischen Bürgern und Stadtherren. Die Stadtrechte entwickelten sich im 11. Jh. aus den Rechten der dort ansässigen Kaufleute und dem Marktrecht , während bis dahin die verschiedenen Stände nach ihrem Recht gelebt hatten. Die ersten Stadtrechte wurden vom Stadtherrn verliehen, seit dem 13. Jh. entwickelte sich die Autonomie der Städte. Vgl. Mutterrecht. Durch die Bewidmung von Gründungsstädten mit dem Recht älterer Städte, vor allem im Rahmen der deutschen Ostsiedlung entstanden sogenannte Stadtrechtsfamilien. Die bedeutendsten Stadtrechte waren das lübische Recht für die Städte des Ostseeraums und das Magdeburger Recht mit mehreren hundert Städten bis nach Russland. Das älteste ist das Soester Stadtrecht (um 1100). Die Entwicklung der Stadtrecht einiger Städte beginnt in der 1. Hälfte des 12. Jh. Die Aufzeichnung hingegen erfolgt (meist) ab dem 13. Jh.

VERFESTUNG ([vor]vestinge, veste)
Im Ungehorsamverfahren nach säsischem Recht eine vorläufige und beschränkte Acht, der bereits im fränkischen Recht der Vorbann (forbannitio) des Grafen (Grafenbann, später Grafenacht) entsprach. der Verfestete (forbannitus) behielt Rechtsfähigkeit und Vermögen, konnte aber, wenn ergriffen, gebunden vor Gericht gebracht werden, wo er wie ein handhafter Täter behandelt wurde und sein Urteil (stets Todesurteil) nicht schelten noch ablösen konnte. Stellte sich der Verfestete nicht binnen bestimmter Frist, so verfiel er der Reichsacht. Die Verfestung erhielt sich bis in die Zeit des Gemeinen Rechts.

WERGELD (Besserung, Blutgeld, Manngeld)
Nach altem germ. Recht die Buße, die für Tötung eines Freien seiner Sippe vom Täter bzw. dessen Sippe gezahlt wurde, geteilt in die Erbsühne (an die nächsten Erben) und die Magsühne (an die ‚gemeinen‘ Magen).

ZWEIKAMPFPROBE
Form des Gottesurteils, das dem Ritter zustand, wenn er eines Verbrechens beschuldigt wurde. Ein anderer Kämpfer mußte gegen ihn antreten und im Kampf (oft bis zum Tod) die Schuld des Ritters bestätigen. Der Grundgedanke dabei war, das Gott die Gerechten beschützt und ihnen zum Sieg verhilft.

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