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Politik

BANNRECHT
Zuerst das Recht der Obrigkeit, insbesondere des Königs zu gebieten und zu verbieten, dann die Strafe, die bei Verletzungen des Bannrechtes eintritt.

ERBWAHL
gebräuchlich für die im Mittelalter übliche Art der Königswahl, wobei der König zwar frei gewählt wurde, jedoch nur aus einem bestimmten Geschlecht.

FAHNLEHEN (Fürstenamt, Fürstenfahnlehen, [Reichs]fürstenlehen, feudum majus, feudum vexilli)
Seit 1180 ein weltliches Reichsfürstentum, das durch das Symbol der Fahne unmittelbar vom König verliehen wurde (Fahnbelehung), beim Ledigfallen binnen Jahr und Tag neu verliehen werden mußte und unteilbar war. Seit dem 15. Jh. wurde auch die Szepterlehen als Fahnlehen angesehen, so bezeichnet und mit der Fahne verliehen. Es gab auch Fahnlehen, die den Inhaber nicht zum Reichsfürsten machten, z.B. die der Reichsgrafen. Solche Fahnlehen hießen Herrenfahnlehen.

FEUDALISMUS
Staats- und Gesellschaftsform des Mittelalters, die Herrschaft einer sich auf Grundbesitz stützenden adligen Oberschicht, die zusätzlich besondere Verwaltungsvorrechte gegenüber der landlosen Bevölkerung besaß.

GANERBENBURG
Eine Burg in Besitz mehrerer Eigentümer z.B. mehrerer Linien einer adeligen Familie.

GEMARKUNG
Umfaßt den gesamten Wirtschafts- und Rechtsbereich einer Siedlung, mit Haus und Hof und Zugehör, mit Ackerland, Wiesen und Weiden, Plätzen, Wegen und Brücken, mit Wald und Heide, Ödland und Gewässer bis hin an die Gemarkungsgrenze.

GRUNDHERRSCHAFT (Grundherrlichkeit, Herrschaft, Mark, seniorat, Territorium, Urbar, Villikationsherrschaft, causa dominica, dominatio, potestas, senioraticum)
Form des landwirtschaftlichen Großgrundbesitzes, bei der das Land (Herrschaftsland) vollständig oder zum größten Teil nicht vom Besitzer (Grund[lehens]herr) selbst bewirtschaftet, sondern als grundbares Land an Bauern ausgegeben wird, von denen er im wesentlichen nur Zahlungen empfängt (daher dominus censualis, dominus census). Das vom Fronhof (im enegern Sinne) bewirtschaftete Salland war nur klein, nur ein privilegiertes Bauerngut. Ebenso die Herrschaftsrecht über Bauern, die auf diesem Grund und Boden sitzen und diesen Boden bebauen. Dafür beschützte sie der Grundherr vor Feinden und Hunger.

HEERBANN (haribannum, haribannus, heribannus)
Im früheren Mittelalter das Aufgebot, der Bann, des Königs bzw. des Herzogs usw. zur Heerfahrt und diese selbst, dann die Strafe, die für Nichtbeachtung zu zahlen war, die Heerbannbuße (Heerfahrtstrafe), die in der Regel vom Grafen, unter Karl dem Großen von besonderen haribannatores eingetrieben wurde. Seit dem 13. Jh. auch das Heer selbst. Heerbann bezeichnete endlich auch die Ablösung in Geld für die ursprünglich in natura zu leistenden angariae, carnaticum, hostilitium usw. und vor allem die Heersteuer.

HERRSCHAFT (Herrlichkeit)
Inbegriff der Rechte eines Herrn z.B. des Lehensherrn über den Mann und über das Gut, oder des Grundherrn über Hörige (vgl. Grundherrschaft). Im späteren MA bezeichnete H. besonders auch einen Komplex von Besitzungen und Rechten, nur durch die Person des Inhabers zusammengehalten, also kein Territorium. Doch wird auch ein Territorium, dessen Inhaber den Titel Herr führt, als Herr bezeichnet.

IMMUNITÄT (emunitas, immunitas, integritas, [wenn weltlich auch] potestas)
In fränkischer Zeit dem Königsgut (siehe Reichsgut) zustehende, dann auch vom König großen Grundherrn, später auch Städten durch besondere carta immunitatis gewährte Befreiung von jedem unmittelbaren Eingriff des ordentlichen Beamten, das heißt des Grafen, zumal in gerichtlicher und finanzieller Hinsicht; und Übertragung der Gerichtsbarkeit an einen besonderen Beamten (Vogt), der teilweise vom Inhaber der Immunität frei gewählt werden konnte, aber zugleich öffentlicher Beamter war. Lösung aus dem Grafschaftsverband war die Immunität zunächst nicht, also nicht eigentlich Exemtion. In karolingischer Zeit wurde die Immunität im eigentlichen Sinne auf einen Teil des Gutes beschränkt, das übrige war weniger geschützt und ging bis Ende des 10. Jh. der Immunität im alten Sinne verlustig; ebenso verschwanden (seit dem 12. Jh.) die Immunitätsprivilegien. Der engeren Immunität unter unmittelbarer Gerichtsbarkeit des Immunitätsherrn, meist nur Dom, Burg, Schloß und nächste Umgebung, mit ihren Immunitätsleuten und Vogtleuten gliederte sich dann von neuem eine weitere Immunität an als Ausübung irgendwie erworbener öffentlicher Gewalt, unter Gerichtsbarkeit des Vogts, sich nur auf das Gut erstreckend oder darüber hinaus auf fremde Güter oder freie Leute. Territoriale Gerichtshoheit wurde selten und spät erreicht. Der Vasall genoß an und für sich Immunität. Dem Inhalt nach war der Immunitätsbann sehr verschieden. Die Immunitätsgerichte waren Nieder- oder Hochgerichte, letztere zuerst nur über Eigenleute.

KÖNIGSBANN (bannus dominicus, bannus imperialis, bannus regalis, bannus regius) Banngewalt des Königs, durch Bannleihe übertragbar; insbesondere versteht man unter Königsbann die auf Bruch desselben stehende Buße von 60 solidi (Königsbannbrüche)

LANDFRIEDENSBÜNDNIS / LANDFRIEDENSEINUNG (Landfriedenseinung)
Zwischen mehreren Fürsten, Städten usw. zwecks Durchführung des Landfriedens geschlossener Bund

LANDESHOHEIT (Landesherrlichkeit, Territorialhoheit)
Seit dem 11. Jh. entstehende, im 13. Jh. ausgebildete tatsächliche Gewalt, bestehend aus einem Komplex von teils staatlichen, teils privaten Rechten und daher mit den verschiedensten Ausdrücken bezeichnet (vgl. Herrschaft), ausgeübt innerhalb eines bestimmten Gebietes, des Territoriums. Der Inhaber der Rechte wurde dadurch zum Landesherrn. Ursprung und wesentlicher Inhalt der Landeshoheit war die Gerichtsgewalt des Grafen, der sich nach und nach auch die übrigen Hoheitsrechte angliederten, aber so daß auch späterhin der Landesherr vor allem Gerichtsherr war, bis endlich, indem die verschieden Rechte zu einer Einheit verschmolzen, die Landeshoheit zu einer tatsächlichen Staatsgewalt wurde. Zuerst, bereits zu Beginn des 13. Jh.’s, wurde sie nach oben abgeschlossen, während die Abschließung nach unten erst im 15. Jh. abgeschlossen war.

LANDFRIEDE (Gemeinfriede, pax communis, pax continua, pax firm[issim]a, pax generalis, pax sancta, pax terrae)
In fränkischer Zeit der Volksfriede, im späteren Mittelalter als Schutz gegen Mißbrauch der Fehde bzw. zu deren Beseitigung im Anschluß an den Gottesfrieden von den weltlichen Behörden gehandhabt. In Frankreich seit Beginn des 11. Jh., in deutschland seit Beginn des 12. Jh., zuerst zeitlich beschränkt, seit 1413 in Frankreich, seit 1495 in Deutschland als „ewiger“ Landfriede dauernd.

LEHEN
Vom Lehnsherrn an den Lehnsmann gegen Dienst und Treue verliehenes Land und/oder Amt. Der Lehnsherr überträgt dem Lehnsmann (auch Vasall genannt) die Nutzungsrechte, nicht aber die Eigentumsrechte an dem Gut. Der Lehnsmann verpflichtet sich dafür zum Kriegsdienst für seinem Lehnsherrn. Unterschieden wurde zwischen „Schenkung des Lehens“ und dem „Erblehen“. Die Schenkung sicherte dem Vasallen die Rechte nur auf Lebenszeit. Das erblichen Lehen hingegen garantierte auch den Nachkommen des ersten Erblehensträgers die Nutzungsrechte am Lehen. Der Vasall übt auf dem Lehen stellvertretend die volle Herrschaft in allen Angelegenheiten aus. Lehnswesen Staats- und Gesellschaftsordnung des Mittelalters. Es besteht aus der Vasallität und dem Benefizium zwischen Lehnsherrn und Lehnsmann. Die Vasallität entstand aus dem germanischen Gefolgschaftswesen, das ein Treueverhältnis zwischen Herrn und Gefolgsmann bezeichnete. Der Herr gewährte Schutz und Unterhalt, der Gefolgsmann versprach lebenslangen Gehorsam und Dienst. D as Benefizium beschreibt die Ausstattung des Vasallen/Lehnsmann mit einem Lehen, meist Land, das dem Vasall zum Unterhalt dient. Mit Ausnahme des Königs, ist jeder der Vasall eines anderen, da die direkten Vasallen des Königs ihrerseits wieder andere Adlige belehnen (usw.). Somit ist die Gesellschaftsstruktur mit einer Pyramide vergleichbar, an deren Spitze der König steht.

LEHNSZWANG / LEIHEZWANG
Rechtliche Verpflichtung des deutschen Königs, Fürstenlehen, die durch den Tod des Lehnsmannes oder auf andere Art und Weise in seine Hand zurückgefallen waren, binnen Jahr und Tag wieder auszugeben. Diese Pflicht bestand eigentlich für jeden Lehnsherrn. Leibdiener Hohe Adlige hatten einen persönlichen Diener, den sog. Leibdiener, der sich ausschließlich um seinen Herrn kümmerte. Er war für den Schutz des Herrn zuständig und schlief deshalb sogar im selben Gemach wie wie dieser. Als besondere Gunst seines Herrn, trug der Leibdiener in vielen Fällen die abgelegten Kleider seines Herrn, so daß für Fremde eine Verwechslung des Dieners mit einem Adligen durchaus vorkommen konnte.

PALATIUM (Königspfalz, Pfalz, Reichspalast)
Besonders in fränk. Zeit ein Königshof, der als Wohnsitz des Königs eingerichtet und meist befestigt war. Der König hielt abwechselnd auf den verschiedenen Palatii Hof, doch verminderte sich im Laufe der Zeit die Zahl der tatsächlich als Residenz dienenden P. , so daß die meisten schon früh eingingen oder in andere Hände gelangten. Einige Palatii entwickelten sich zu königlichen Städten. Da der König von den P. aus regierte, nahm das Wort in spätkarol. Zeit die Bedeutung von curia regis an. Auch die Landesherrn und einige größere Grundherrn nannten ihre Fronhöfe, in denen sie residierten, Palatium.

SCHILDGELD
Im späten Mittelalter die Möglichkeit eines Lehnsmanns, sich vom Kriegsdienst bei seinem Herrn „freizukaufen“. Mit dem Geld, das der Lehnsmann bezahlte, wurden Söldner angeworben.

STADTRAT (Magistrat, Rat, Senat, consilium (civitatis), consitorium civitatis) In den deutsche Städten seit Ende des 12. Jh. Organ der Bürgerschaft zur Selbstverwaltung, auf sehr verschiedene Art; vielfach aus Ausschüssen, die für Steuern, Befestigungswesen, Landfrieden und dergleichen vom Stadtherrn gebildet worden waren, entstanden Wo Schöffen vorhanden waren, wurden häufig diese zum Stadtrat, oder sie traten in ihn ein, wobei sie öfters eine besondere Schöffenbank bildeten. In den später gegründeten Städten wurde ein Stadtrat von vorneherein durch die Gründungsurkunde eingesetzt. Er verdrängte allmählich den Stadtherrn, trat an seine Stelle und wurde zum wesentlichen Merkmal der Stadt im Rechtssinne.
Seine Mitglieder (Amtleute, Bürger vom Rat, Bürgermeister, Geschworene, Konsuln, Räte, Ratmannen, Ratsgenossen, Ratsherren, Stadtpfleger, Vormünder, cives de consilio, conjurati [civitatis], consiliarii, domini de consilio, juratores, magistri, officiales, proconsules, seniores) wurden gewählt, vielfach in sehr komplizierten indirekten Wahlverfahren, meist auf ein Jahr. Ihre Zahl war sehr verschieden, häufig verhältnismäßig klein. Während zuerst nur die Patrizier in den Stadtrat (Geschlechterrat) wählbar waren (Ratsfähigkeit), erlangten im 14. und 15. Jh. auch die Zünfte, wenn auch vielfach nur zeitweise, den Zutritt. Dabei bildeten sie häufig einen besonderen zweiten Rat (Ganzer rat, Geheimer Rat, Großer Rat, Junger Rat, Rat der Gemeinde), während der ursprüngliche als Enger(er) Rat (Älterer Rat, Innerer Rat, Kleiner Rat, Oberbank, Privatrat) weiterbestand. Doch erfolgte diese Scheidung in vielen Städten schon vor der Zunftbewegung und der Große Rat bestand dann ursprünglich ebenfalls aus Patriziern. Im allgemeinen führte der Kleine Rat die eigentliche Verwaltung und die laufende Geschäfte, während der Große Rat mehr einen Bürgerausschuss darstellte, aus dem er vielfach hervorging und von dem er sich nicht immer scharf trennen läßt. Im einzelnen waren die Kompetenzen fast in jeder Stadt verschieden, und neben den beiden üblichen Räten bestanden häufig noch andere, vor allem ein geschäftsführender Ausschuss, häufig dem Kleinen Rat entnommen. Diese Geheimen Räte hatten vor allem auch die auswärtigen Angelegenheiten zu besorgen. Öfters rissen sie die gesamte Regierungsgewalt an sich, zumal, wenn sie lebenslänglich waren. Den Vorsitz im Stadtrat führte meist der Bürgermeister, manchmal ein besonderer Stadtredner.

 

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