Skip to content

Wirtschaft

ALLMENDE

Die Allmende war der gemeinsame Besitz der Dorfbewohner im Mittelalter. Wasser (Fischteiche, Trinkwasser), Weide und ein Teil des Waldes konnten von allen Dorfbewohnern benutzt werden, später durch Angehörige einer politisch bevorrechteten Klasse.

DREIFELDERWIRTSCHAFT

Anbaumethode, die sich im Dreijahreszyklus wiederholte, um einen Boden fruchtbar zu halten. Im ersten und zweiten Jahr wurden unterschiedliche Pflanzenarten angebaut. Im dritten Jahr wurde das Feld dann als Weideland genutzt und somit natürlich gedüngt.

GILDE

Die Vereinigungen der Kaufleute, Gilden genannt, existierten schon seit dem 9. Jahrhundert. Das Wort „Gilde“ kommt von „gilden“, was soviel wie „bezahlen“ heißt. Ihre Blütezeit hatte das Gildewesen von 1000 – 1300. Pro Stadt war immer nur eine einzige Gilde vorhanden, in der alle Kaufleute vereinigt waren. Zunächst bildete sie einen Schutzverband zur Wahrung gemeinsamer Interessen, aber sie wurde wie die Zünfte schon bald zu einer Monopolorganisation. Jeder Kaufmann mußte ihr am Ende des 11. Jhs. beitreten. Im Prinzip glichen die Gilden organisatorisch und funktionsmäßig den Zünften. So gab es bei ihnen ebenfalls das Gelage, den Totenkult, ein spezielles Gericht, Hilfs- und Racheverpflichtungen und Brudertreue. Man traf sich ein- oder mehrmals im Jahr, wählte den Vorsteher und besprach Gildeangelegenheiten. Aufgenommen wurde man in diese Organisation, wenn man zu der gehobenen Gesellschaftsschicht gehörte, einen ehrbaren Lebenswandel vorweisen und die Aufnahmegebühr bezahlen konnte. Angehörige der Mittel- und Unterschichten waren prinzipiell ausgeschlossen.

FISCUS (fiscalis, fiscus dominicus, fiscus regalis, villa fiscalis, Domänenamt, Königsgut, Krongutsamt)

Von Karl dem Großen geschaffener größerer Bezirk zur Verwaltung der Domänen, aus dem Grafschaftsverbande gelöst und als besondere Immunität einem actor dominicus unterstellt. Der Fiscus war in ministeria geteilt. Auch die größeren Grundherrn, besonders die Klöster, teilten ihre Güter in Fisci ein. In späterer Zeit nannte man Fisci überhaupt alle von einem königlichen oder landesherrlichen Fronhof aus bewirtschafteten Ländereien, besonders auch das Salland eines Königshofes, das auch Königshufe hieß, während das Salland der landesherrlichen Fronhöfe Kammergut genannt wurde.

FIORINO (FLORIN)

Goldmünze, erstmals geprägt im Jahr 1252 in Florenz.

FLURZWANG

Verpflichtung der Grundbesitzer einer Gemarkung, auf ihrem Land gleichen Fruchtbau und gleiche Fristen für Bestellung usw. innezuhalten; der Flurzwang kann bedingt sein durch Gemengelage oder durch gegenseitige Weidegerechtigkeit (Recht, das Vieh auf fremden Grundstücken weiden zu lassen; auch gemeinsame Weiden). Er kann auf Vereinbarung der Besitzer beruhen oder von einem Grundherrn erzwungen sein.

FRONHOF (hauptsächlich vom 8. bis 12. Jh.)

Mittelpunkt einer Grundherrschaft. Besteht aus der Wohnung (Bannschloß, Herrenhaus, sala, Salhaus) des Grundherrn und Wirtschaftsgebäuden, die vor allem als Vorratsräume dienten. Zum Fronhof gehörte meist nicht sehr ausgedehntes Land (Achte, Beunde, Fronacker, Fronde, Gutsland, Hofland, Ritteracker, Salland u.v.a.) welches das ursprüngliche, nach Volksrecht vererbliche Familiengut des Grundherrn war. Es war Streubesitz in Gemengelage und wurde im Eigenbetrieb des Grundherrn von Dageschalken, unfreien Lohnarbeitern sowie durch Fronden der Bauern bestellt. Berechnet wurde es nicht nach Hufen, sondern nach Jochen, Morgen usw. (Jochland). Die Verwaltung und Aufsicht über Fronhof und Salland hatte der Meier, weshalb der Fronhof selbst Meierhof (Kelnhof, Meierei, curia villicaria, villicatus), das Salland Meierland hieß und die Bauern Meierbauern. Größere Grundherrschaften zählten viele Fronhöfe, von denen unter Umständen jeweils eine Anzahl als Unterhöfe (Nebenhöfe, curiae minores) zu größere Einheiten (Fronhofsverbände, Propsteien, Urbarämter) zusammengefaßt waren, die von einem Oberhof aus durch einen Propst (praepositus, procurator) verwaltet wurden.

GOTLÄNDISCHE GENOSSENSCHAFT

1161 Heinrich der Löwe versöhnt Deutsche und Gotländer, die vorher in Konflikt lebten, und läßt sie Frieden schwören – Privilegienbestätigung seit Mitte des 13. Jh. Beginn des Niedergangs Genossenschaft der Gotland besuchenden Deutschen (universi mercatores Imperii Romani Gotlandiam frequentantes) Voraussetzung für erfolgreichen Handel in der Ostsee war die Verständigung mit den Gotländern. Heinrich der Löwe versöhnt Deutsche und Gotländer, die vorher in Konflikt lebten, und läßt sie Frieden schwören (1161). Zudem bestätigt er den Gotländern die ihnen von Lothar III. von Supplinburg in Sachsen gewährten Privilegien. Die deutschen Kaufleute, insbesondere lübische, aber auch Kaufleute aus sächsischen und westfälischen Städten, konnten von da an nach Gotland fahren. Wählt jährlich einen Oldermann; im 13. Jh. hat die Genossenschaft vier Oldermänner, die je durch die Kaufleute von Lübeck, Visby, Dortmund und Soest gewählt wurde. Sie besaßen dieselben Vollmachten wie später die Leiter der Hansekontore: Ausübung der Gerichtsbarkeit über die Genossen und (gelegentlich) Vertretung gegenüber fremden Machthabern. Seit der Mitte des 13. Jh. beginnt der Niedergang. Gründe: zu kleine Gruppe für die umfangreich gewordenen Aufgaben sie war auf Unterstützung der Städte (bes. Lübecks und Visbys) angwiesen, die diese kleine Genossenschaft in der Zeit der eigenen Machtvergrößerung mit Skepsis zu betrachten begannen Den Schutz der Kaufleute übernahmen dann Lübeck und Visby, da es für einen regionalen Städtebund noch zu früh war. Theoretisch bestand sie fort, bis per Beschluß (der wendischen Städteversammlung) 1298 ihr Siegel ‚aufgehoben‘ wurde.

HANSE

Hanse ist wie Gilde die Bezeichnung für eine, oft durch die Leistung eines Eides zusammengehaltenen, Genossenschaft von Kaufleuten, die sich auf weiträumigen Handelsreisen zu gegenseitiger Unterstützung zusammenschlossen.

Die älteste bekannte Hanse deutscher Kaufleute ist die der Kölner Englandfahrer, der auch Händler aus anderen niederrheinischen Städten angehörten. Um 1157 nimmt der englische König Heinrich II. ihr Haus in London , die „Gildehalle“, in seinen Schutz, befreit die Händler von höheren Abgaben und gewährt günstige Bedingungen für den Verkauf von Wein. 1194 gestattete Heinrichs Sohn Richard I. Löwenherz den freien Verkauf und Marktbesuch im ganzen Land.

Als Fernhändler aus den deutschen Ostseestädten im 13. Jahrhundert in England erschienen und dort in Konkurrenz zu den Kölner Kaufleuten traten, auch Zollfreiheit und Schutz durch den englischen König erhielten und sich 1281 mit der niederrheinisch-kölnischen Hanse zur gemeinsamen Deutschen Hanse in London zusammenschlossen, hatten sie schon eine fast hundertjährige Erfahrung im Aufbau eines Handelssystems hinter sich.

Was die Ehefrauen der Kaufleute betraf, ging es ihnen zwar rechtlich gesehen wie den anderen Frauen in der Stadt, da sie aber während der langen Abwesenheit ihrer Männer das Geschäft und den z.T. großen Haushalt allein überwachen mußten, wurden sie im Laufe der Zeit immer emanzipierter und selbstbewußter. Kauf- und Handelsfrauen konnten schließlich finanzielle Verpflichtungen eingehen und gerichtliche Zeugnisse geben. Ihre Abschlüsse wurden damit unbeschränkt verbindlich. Auch auf Geschäftsreisen gingen diese Frauen. Ihr Handlungsradius war zwar in der Regel eingeschränkter als der ihrer Gatten, aber mit ihrer mittlerweile erworbenen Qualifikation und ihrer langjährigen Erfahrung waren sie durchaus in der Lage, im Falle der Verwitwung das Geschäft zu übernehmen. So führte Anna Rem entgegen den testamentarischen Bestimmungen ihres Mannes Lucas Rem seine große Handelsgesellschaft erfolgreich weiter.

Elisabeth Gfattermann (+ 1436), die zweite Gattin von Hans Fugger (+ 1408/09), überlebte ihren Mann um 28 Jahre und erwies sich ebenfalls als sehr geschäftstüchtig. Sie verhinderte eine Zersplitterung des Familienvermögens durch Erbteilung und erhielt ihren Nachkommen den städtischen Hausbesitz und die ländlichen Liegenschaften. Auch ihre Schwiegertochter, Barbara Bäsinger (+ 1497), die ihren Gatten Jakob Fugger (+ 1469), ebenfalls um 28 Jahre überlebte, hielt nicht nur das Vermögen zusammen, sondern schützte es gegen Erbteilung und mehrte die Habe von 15 000 Gulden im Jahre 1469 auf 23 293 Gulden im Jahre ihre Todes.

Mit Rückhalt an den im Zuge der Ostexpansion an der Ostseeküste und in ihrem Hinterland entstandenen Städten – die Neugründung Lübecks 1143 bzw. 1158/59 und die Gründung der Neustadt Hamburg zwischen 1186 und 1196 als rechtselbischer Seehafen markieren hier wichtige Punkte – drangen die deutschen Kaufleute auf ihren Handelsreisen zunächst auf die Ostseeinsel Gotland vor. Sie nannten sich „Genossenschaft der Gotland besuchenden Kaufleute des Römisches Reiches“ und hatten ihr Zentrum in der Marienkirche in Visby auf Gotland. Von hier aus gingen die Handelsreisen weiter nach Schweden, Livland und nach Novgorod, dem zentralen Markt für Waren aus dem russischen Hinterland, wo die Hansekaufleute im Peterhof eine eigene Niederlassung fanden. In Novgorod diente die Kaufmannskirche zu St. Peter zugleich als Gotteshaus und Warenlager. Ähnliche Niederlassungen finden sich im norwegischen Bergen („Deutsche Brücke“) und im flandrischen Brügge. Auch mit Dänemark standen die deutschen Kaufleute in regem Handelsverkehr – hier war es v.a. der Hering, der mit Salz aus Lüneburger Salinen haltbar gemacht, besonderen Profit versprach, denn mit dieser begehrten Fastenspeise verfügten die hansischen Fernhändler über eines der bedeutendsten Handelsgüter im Mittelalter.

Mit dem Vordringen hansischer Kaufleute über Lübeck und Hamburg nach Brügge und anderen Städten Flanderns und nach England in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts schloß sich der Kreis des hansischen Handelssystems. Daraus entwickelte sich Mitte des 14. Jahrhunderts die Deutsche Hanse; sie war nicht mehr ein Bund von Kaufherren, sondern ein Städtebund, dem unter der Führung von Lübeck , Hamburg und Köln in ihrer Blütezeit im 14. und 15. Jahrhundert mehr als 100 Städte in lockerer Organisationsform angehörten. Hamburg als Nordseehafen, Lübeck als wichtigster Hafen an der Ostsee kooperierten in der Führung des Bundes und speziell in dessen wendischem Viertel, neben dem es noch ein preußisches Viertel (Danzig), ein sächsisches Viertel (Braunschweig), ein westfälisch-niederrheinisches Viertel (Köln) und einen Zusammenschluß der Städte des Ordenslandes mit den hansischen Gründungsstädten Riga, Reval und Dorpat an der Spitze gab. Im Norwegenhandel mit dem Kontor in Bergen hatten Bremen eine wichtige Stellung.

Das hansische Handelssystem beruhte auf dem Austausch von Waren zwischen Ost- und Westeuropa, die überwiegend auf dem Seeweg transportiert wurden. Neben Salz und Hering waren hansische Handelsgüter Eisen und Kupfer aus Schweden, Fisch aus Norwegen, Getreide, Mehl, Malz und Bier aus Pommern, Mecklenburg und Brandenburg, flandrische Tuche, englische Wolle , Kupfer, Blei und Zinn aus dem Harz, Pelze, Wachs und Leder aus russischen Gebieten, Holz, Flachs, Bernstein und zunehmend auch Getreide aus Polen und Preußen, Wein vom Rhein, Metallerzeugnisse aus rheinischen und westfälischen Städten, später Meeressalz, das Baiensalz von der französischen Westküste (nach der Bai von Bourgneuf benannt) und aus Portugal. Die Handelsprodukte der Kaufleute reichten weiter bis zu den begehrtesten Edelsteinen wie Diamant und Rubin, den kostbarsten Stoffen wie Seide und den erlesensten Gewürzen, die man in Indien, auf den Sundainseln, ja selbst in China geladen hatte. 1453 erhielt dieser Orienthandel durch die türkische Erober ung Konstantinopels einen schweren Schlag. Es mußte so schnell wie möglich ein Ersatz gesucht werden, was letztendlich schließlich Kolumbus zu seiner „Westindienfahrt“ veranlaßte.

Aber auch der Sklavenhandel war noch in voller Blüte. So hatten die italienischen Seemächte wie Venedig, Genua und Pisa seit dem frühen 13. Jh. eine lebhafte Sklaveneinfuhr aus dem östlichen Mittelmeerraum – besonders aus der Krim – begonnen, die ebenfalls erst gegen Ende des 15. Jhs. mit dem Vorrücken der Türken zusammenbrach. In Venedig wurden z.B. zu Beginn der 1420er Jahre ungefähr 10 000 Sklaven – die meisten waren Frauen – umgesetzt. Die Kirche – nebenbei bemerkt – äußerte gegen diese selbstverständlich erscheinende Praxis keine Bedenken!

Die hansischen Kaufleute vermittelten diese Handelsgüter zwischen Ost-, West- und Nordeuropa, ja es gelang ihnen, für Jahrhunderte ein Monopol auf diesen Zwischenhandel zu erlangen und die einheimischen Kaufleute aus ihm zu verdrängen oder fernzuhalten. Wodurch die hansischen Kaufleute diese Monopolstellung erringen und so lange halten konnten, ist in der historischen Forschung noch nicht eindeutig geklärt.

Lange Zeit sah man in der Überlegenheit der Kogge die wesentliche Ursache. Doch jüngst wurde Zweifel an der schiffbautechnischen Überlegenheit der Kogge und damit der Hanse gegenüber dem nordeuropäischen Schiffbau geäußert angemeldet, denn dieser Schiffstypus stehe in einer bis Jahrhunderte vor der Zeitrechnung reichenden Tradition der Schiffsbautechnik; außerdem wird auf den Widerspruch verwiesen, daß der Niedergang der Hanse mit der Zeit ihres bedeutendsten Schiffsbaus zusammenfällt. Auf jeden Fall profitierte die hansische Schiffahrt und der hansische Handelstransport auf dem Meer und den Flüssen von technischen Neuerungen und Erfindungen der Zeit. Dazu gehört seit dem 13. Jahrhundert der Kompaß , dessen Anwendung als Steuerkompaß aber kompliziert und unzuverlässig blieb, so daß er noch im 15. Jahrhundert im hansischen Bereich nicht allgemein gebräuchlich war. Eher dienten dem Schiffer der Stand von Sonne, Mond und Sternen, ferner Wind, Wolkenzug und Flutrichtung zur Navigation. In Seebüchern enthaltene Segelanweisungen mit Angaben über Entfernungen, Tiefen, Kurse und Peilmarken gaben seit dem 9. Jahrhundert Erfahrungen der Nord- und Ostseeschiffer weiter. Flußmündungen wurden vertieft, Häfen ausgebaut und die Zufahrten zu ihnen geschützt, Kräne für die Bewegung der Waren aufgestellt – in Brügge schon 1244, sonst vielfach erst im 15. Jahrhundert -, Seezeichen an den Küsten gesetzt und nachts mit Feuer bestückt. 1316 wird in Lübeck erstmals ein Leuchtturmwärter in dem 1226 errichteten Turm von Travemünde erwähnt; dieser konnte nun auch nachts den Schiffen den Weg in den Lübecker Hafen weisen. Neben materiell – technischen Fortschritten kam dem hansischen Kaufmann die günstige Lage der Hansestädte , besonders von Lübeck und Hamburg, am Handelsweg von Novgorod und Reval nach Brügge und London zugute. Die Ost-West-Linie war die Hauptroute des hansischen Handels, der auf See oder Wasserwegen verlief und nur zwischen Lübeck und Hamburg den Landweg nahm, wodurch ein aufwendiges Umladen der Waren von Schiffen auf Wagen notwendig wurde. Ende des 14. Jahrhunderts eröffnete jedoch der Bau des Stecknitzkanals den Wasserweg zwischen Lübeck und Hamburg.

Die praktische Durchführung des Handelsverkehrs und der Schiffahrt beruhte auf verschiedenen Regelungen, die teils von den einzelnen Hansestädten, teils von der Gesamthanse getroffen wurden. Die Auslandsprivilegien betrafen v.a. folgende Punkte: Rechtsstellung der Kaufleute im Ausland, Schutz der Waren, Fixierung des Zolls und anderer Abgaben, Befreiung vom Zweikampf als gerichtlichem Beweismittel, Abschaffung der Kollektivhaftung für Schulden einzelner Kaufleute, Regelung des Gästehandels sowie Befreiung vom Strandrecht . Letzteres benachteiligte Schiffbrüchige und deren Erben, indem es Anwohnern von Küsten und Flußufern erlaubte, gestrandete oder auf Grund gelaufenen Schiffe und ihre Ladung zu bergen und für sich in Anspruch zu nehmen sowie angeschwemmtes Gut sich anzueignen. Eine Milderung oder Aufhebung des Strandrechts bedeutete es, wenn angeschwemmtes Strandgut „über Jahr und Tag“ aufzubewahren und dem Schiffbrüchigen oder seinen Erben zurückzugeben war. Diese mußten dann durch die auf Ballen, Tonne n, Fässern, Säcken und Kisten angebrachten Handelsmarken ihren rechtmäßigen Besitz nachweisen. Während die Hanse und ihre Kontore genau darauf achteten, daß ihre Kaufleute in der Nutzung der Privilegien nicht eingeschränkt wurden, konnten sie selbst nur schwer dazu veranlaßt werden, den englischen und holländischen Händlern ähnliche Rechte in den Hansestädten einzuräumen. Das Prinzip der Gegenseitigkeit hatten in der Handelspolitik der Hanse nur einen geringen Stellenwert. Die Unterbrechung der Schiffahrt von November bis Februar diente ebenfalls der Reglementierung des Handelsverkehrs, konnte in den Nordseehäfen aber weniger konsequent durchgesetzt werden, als in denen der Ostsee. Von der Hanse gingen zahlreiche Städtegründungen am südliche Ostseeufer und in dessen Hinterland aus. In der Blütezeit im 14. Jahrhundert organisierte der Bund Flottenfahrten (Konvois), erhob Abgaben, faßte bindende Beschlüsse (Hanserezesse) und griff in die politische Entwicklung in den nordischen Königreichen ein. Deren zunehmend erstarkende politische Selbständigkeit einerseits und die fürstliche Territorialherrschaft über viele, nicht zur Reichsstandschaft aufgestiegene Hansestädte andererseits bewirkten seit dem 15. Jahrhundert den Rückgang der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Hanse als Städtebund, als dessen letzte Mitglieder die Hansestädte Lübeck, Hamburg und Bremen die mittelalterliche Tradition in der Stadtbezeichnung tragen.

Der Stahlhof, das Hanse-Kontor in London, bestand z.B. aus mehreren benachbarten Häusern mit Kaianlagen am Themseufer und wurde durch Mauern und Türme von der Außenwelt abgeschirmt. Nur drei Tore, die stets scharf bewacht wurden, verbanden diese Kaufmannsfestung mit der Innenstadt Londons. Diese Befestigung war nötig, da aus Eifersuchtsgründen jederzeit mit Angriffen der einheimischen Bevölkerung gerechnet werden mußte. Die jungen Kaufleute lebten innerhalb der Mauern wie Mönche in einem Kloster. Sie erhielten ihre einzelnen Zellen, durften nicht heiraten und hatten im Stahlhof die aus Deutschland und Flandern eingeführten Tuche zu „stahlen“, d.h. zu prüfen und mit einem Bleisiegel zu versehen. 1552 wurden der Hanse in England die Privilegien entzogen, die sie nur noch einmal für wenige Jahre mit der Unterstützung des spanischen Königs Philipp II., dem Gatten der englischen Königin Maria Tudor, zurückerhielten. 1558 wurden den Deutschen schließlich die Vorrechte durch Elizabeth I. für immer aberkannt.

HOF

Im weiteren Sinne jeder zur Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs erforderliche Bestand an Grundstücken und Gebäuden. Im engeren Sinne der Bauernhof, soweit er als geschlossenes Gut unverändert, das heißt ungeteilt, dauernd in der Hand seiner Besitzer bleibt. Außer dem geschlossenen Gut, den Hofländereien, gehören zu einem Hof stets auch Wandeläcker (Grundstück, das der Erbteilung unterliegt und ohne weiteres veräußert werden kann). Im Mittelalter war der Hof die Hufe, weshalb auch der Fronhof als Hof schlechthin bezeichnet wurde. Höfe im heutigen Sinne bildeteten sich seit dem 16. Jh.

HUFE

(Ackerhufe, Hubgut, Lehen, Losgut) in Deutschland und den germananischen Eroberungsgebieten das Sondereigentum eines Volksgenossen an Grund und Boden, einschließlich der Hofstelle so wie aller Rechte an der Allmende. Innerhalb einer Gemarkung einigermaßen gleich, waren die Hufen sonst von sehr verschiedener Größe, im Durchschnitt in älterer Zeit von 30 Morgen. Schon früh wurden die Hufen teils geteilt, teils zu mehreren in einer Hand vereinigt, so daß der Begriff der Hufen zu einer ideellen Einheit wurde, nach der man Pflichten und Rechte bemaß. Sie wurde Ackermaß. Die Teilung, bzw. die Zuteilung von Rechten und Pflichten, erfolgte meist durch fortschreitende Halbierung, so daß neben der Vollhufe Halbhufen, Viertelhufen usw. entstanden. Die ursprüngliche Hufe blieb manchmal als Zinsgenossenschaft erhalten. Diese Verteilung und Nutzung des Grund und Bodens wird in der Literatur als Hufenordnung bezeichnet. Neben der alten Hufe (Landhufe, Volkshufe) gab es meist eine doppelt so große Königshufe auf neu gero detem Land, die später besonders auch im ostdeutschen Kolonisationsgebiet verliehen wurde. Je nachdem ob von der Hufe Zins bezahlt wurde bzw. Fronden geleistet wurden oder nicht, unterschied man Freihufen und Zinshufen.

KRONLEHEN

Die unmittelbar von der Krone abhängigen Lehen, in Frankreich im späteren Mittelalter im wesentlichen die Apanagen. Vgl. Reichslehen.

REICHSGUT (Königsgut, Königsland, Reichsdomäne, auch Reich)

Das Krongut des alten Deutschen Reichs, bis ins 13. Jh. vom Hausgut (siehe Hausmacht) nicht geschieden und daher unter Rudolf I. , trotz der früheren Anstrengungen der Staufer, das Verlorene wieder zu erlangen nur noch in geringen Resten vorhanden, die von Reichsvögten verwaltet wurden. Seit 1281 war der König bei Veräußerungen von Reichsgut an die Zustimmung der Kurfürsten gebunden.

REICHSSTADT (civitas imperialis)

Seit dem 13. Jh. Bezeichnung der königlichen Städte, die teilweise als Pfalzstädte aus palatia entstanden und später durch solche aus heimgefallenen Lehen vermehrt worden waren. Die Reichsstädte waren reichsunmittelbar, zahlten vor allem an keinen Landesherrn Steuern; doch gab es einige, ausdrücklich als Reichsstadt anerkannte Städte, bei denen dies der Fall war. Im übrigen besaßen sie seit dem 13. Jh. die freie Verfügung über ihre bewaffnete Macht und das Fehderecht (siehe Fehde), ferner eine der Landeshoheit entsprechende Selbstständigkeit, vielfach auch ein Territorium. Ferner waren sie Reichstände. Gerichtsbarkeit besaßen viele von ihnen nicht. Sie standen unter einem Reichsvogt, leisteten dem Kaiser einen Huldigungseid und zahlten ihm eine Reichssteuer. Nachdem die Freistädte in den Reichsstädten (bis dahin gemeine (Reichs-)Stadt genannt) aufgegangen waren, wurden alle Reichsstädte als ‚Freie Reichsstadt‘ bezeichnet. Andererseits gerieten einige mehr oder weniger in Abhängigkeit von Landesherrn, so d aß es zweifelshaft wurde, ob sie Reichsstädte waren. Man nannte sie daher gemischte Reichsstädte und verstand darunter auch Landesstädte, die von ihrem (meist geistlichen) Herrn mehr oder weniger abhängig waren.

ZUNFT

Vereinigung von Handwerkern des gleichen Handwerksberufes im Mittelalter. Sie diente der Interessenvertretung der Handwerker gegenüber der Obrigkeit. Die Zünfte bestimmten die Höhe der Löhne, die Länge der Arbeitszeiten und häufig auch die Höhe der lokalen Preise. Sie überprüften die Qualität der Produkte durch einen eigens dafür bestimmten sog. Schaumeister, der die Betriebe regelmäßig kontrollierte. Man versammelte sich in einem eigenen Zunfthaus. Darüber hinaus bedeutete die Mitgliedschaft in einer Zunft die Teilnahme an einer Lebensgemeinschaft, die mehr familiären Charakter besaß.

Primary Sidebar